Was ist ein Decentralized Exchange (DEX)?
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Was ist ein Decentralized Exchange (DEX)?

Anfänger
1mo ago
8m

TL;DR

Sie kennen wahrscheinlich wie die meisten Börsen für Krypto-Währungen funktionieren. Sie melden sich mit Ihrer E-Mail an, denken sich ein sicheres Passwort aus, verifizieren Ihr Konto und beginnen mit dem Handel von Kryptowährungen.

Bei Decentralized Exchanges (also dezentralisierte Börsen) ist es genau so, ohne die Hürden bei der Anmeldung. In den meisten Fällen gibt es keine Kryptoeinzahlung oder -auszahlung. Der Handel findet direkt zwischen den Wallets zweier Benutzer statt, mit begrenztem (wenn überhaupt!) Einfluss von irgendeinem Dritten.

DEXs können etwas schwieriger zu handhaben sein, und sie verfügen nicht immer über die von Ihnen gewünschten Assets. Aber mit wachsender Technologie und wachsendem Interesse daran können diese sehr wohl zu integralen Bestandteilen in der Welt der Kryptowährungen werden.


Einführung

Seit den frühen Tagen von Bitcoin haben Börsen eine wichtige Rolle als Vermittler für Käufer und Verkäufer von Krypto-Währungen gespielt. Ohne diese Foren, die eine weltweite Nutzerbasis anziehen, hätten wir eine viel geringere Liquidität und keine Möglichkeit, uns auf den korrekten Preis von Assets zu einigen.

Traditionsgemäß haben zentralisierte Akteure dieses Feld dominiert. Mit dem sich rasch entwickelnden Angebot verfügbarer Technologien ist jedoch eine wachsende Zahl von Instrumenten für den dezentralisierten Handel entstanden.

In diesem Artikel tauchen wir in die Welt der Decentralized Exchanges (DEX) ein – die Handelsplätze, wo keine Vermittler erforderlich sind.


Definition von Decentralized Exchanges

Theoretisch könnte jedes Tauschgeschäft, dass Peer-to-Peer geschieht, als dezentralisierter Handel bezeichnet werden (siehe z.B. Wie funktionieren Atomic Swaps?). Aber in diesem Artikel sind wir in erster Linie an einer Plattform interessiert, die die Funktionen eines Centralized Exchange (also einer zentralisierten Tauschbörse) nachahmt. Der Hauptunterschied besteht darin, dass ihr Backend auf einer Blockchain existiert. Niemand nimmt Ihre Gelder in Verwahrung, und Sie müssen der Börse nicht in dem Maße vertrauen, wie Sie es bei zentralisierten Angeboten tun, wenn überhaupt.


Wie ein Centralized Exchange funktioniert

Bei Ihrem typischen CEX deponieren Sie Ihr Geld – entweder als Fiat-Währung (per Banküberweisung oder Kredit-/Debitkarte) oder als Krypto-Währung. Wenn Sie Krypto einzahlen, geben Sie die Kontrolle darüber ab. Nicht unter dem Gesichtspunkt der Benutzerfreundlichkeit, da Sie immer noch damit handeln oder es abheben können, sondern unter einem technischen Gesichtspunkt: Sie können es nicht auf der Blockchain ausgeben.
Sie sind nicht im Besitz der Private Keys zu den Geldern, d.h. wenn Sie das Geld abheben, bitten Sie die Börse, eine Transaktion in Ihrem Namen zu unterzeichnen. Wenn Sie handeln, finden die Transaktionen nicht auf der Blockchain statt – stattdessen teilt die Börse die Salden den Benutzern in ihrer eigenen Datenbank zu.

Der allgemeine Ablauf ist unglaublich rationalisiert, weil die langsamen Geschwindigkeiten der Blockchains den Handel so nicht behindern und alles im System einer einzigen Institution abläuft. Kryptowährungen können einfacher gekauft und verkauft werden, und es stehen Ihnen mehr Werkzeuge zur Verfügung.

Dies geht jedoch auf Kosten der Unabhängigkeit: Sie müssen der Börse Ihr Geld anvertrauen. Folglich setzen Sie sich einem gewissen Gegenparteirisiko aus. Was ist, wenn das Team mit Ihren hart verdienten BTC durchbrennt? Was, wenn ein Hacker das System lahmlegt und die Gelder stiehlt?

Für viele Anwender ist dies ein akzeptables Risikoniveau. Sie halten sich einfach an seriöse Börsen mit einer starken Erfolgsbilanz und Vorsichtsmaßnahmen, die einen Datenreichtum verhindern sollen.


Wie ein Decentralized Exchange funktioniert

DEXs ähneln in mancher Hinsicht ihren zentralisierten Gegenstücken, unterscheiden sich aber in anderer Hinsicht erheblich. Lassen Sie uns zunächst feststellen, dass es einige verschiedene Arten von DEXs gibt, die den Benutzern zur Verfügung stehen. Das Grundthema, das sie vereint, ist, dass die Orders on-chain (über Smart Contracts) ausgeführt werden und dass die Benutzer zu keinem Zeitpunkt einer anderen Partei die Verwahrung ihrer Gelder überlassen.
Es wurde bereits an Chain-übergreifenden DEXs gearbeitet, aber die beliebtesten fokussieren sich auf die Assets einer einzigen Blockchain (wie z.B. Ethereum oder Binance Chain).


On-chain Order-Bücher

Bei einigen DEXs wird alles on-chain erledigt (wir werden in Kürze über hybridisierte Ansätze sprechen). Jede Order (sowie Änderung und Stornierung) wird in die Blockchain geschrieben. Dies ist wohl der transparenteste Ansatz, da man sich nicht darauf verlässt, dass eine dritte Partei die Orders an einen weiterleitet, und es gibt keine Möglichkeit, sie zu verschleiern. 
Leider ist es auch der unpraktischste Ansatz. Da Sie jeden Node im Netzwerk bitten, den Order für immer aufzuzeichnen, zahlen Sie am Ende eine Gebühr. Sie müssen warten, bis ein Miner Ihre Nachricht der Blockchains hinzufügt, was bedeutet, dass dieser Prozess auch umständlich sein kann. 
Einige bezeichnen das Front-Running als einen Fehler in diesem Modell. Front-Running tritt in Märkten auf, wenn ein Insider von einer ausstehenden Transaktion weiß und diese Information nutzt, um einen Trade zu setzen, bevor die Transaktion verarbeitet wird. Der Front-Runner profitiert also von Informationen, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind. Im Allgemeinen ist dies illegal. 

Wenn alles auf einem globalen Ledger veröffentlicht wird, gibt es natürlich keine Möglichkeit für einen Front Run im traditionellen Sinne. Dennoch kann eine andere Art von Angriff durchgeführt werden: ein Angriff, bei dem ein Miner die Order sieht, bevor sie bestätigt wird, und sicherstellt, dass seine eigene Order zuerst in die Blockchain aufgenommen wird.

Beispiele für On-Chain Order-Buch Modelle sind u.a. die Stellar und Bitshares DEXs.



Off-chain Order-Bücher

DEXs mit Off-Chain Order-Büchern sind in mancher Hinsicht immer noch dezentralisiert, aber sie sind zugegebenermaßen stärker zentralisiert als das obengenannte Beispiel. Anstatt dass jede Order auf der Blockchain veröffentlicht wird, werden sie an einem anderen Ort verwaltet.

Wo? Das kommt darauf an. Sie könnten eine zentralisierte Institution haben, die vollständig für das Order-Buch zuständig ist. Wenn diese Institution böswillig ist, dann könnte sie die Märkte bis zu einem gewissen Grad manipulieren (z.B. durch Front-Running oder Falschdarstellung von Orders). Dennoch würden Sie von einer Verwahrung ohne die Beteiligung Dritter profitieren.

Das 0x-Protokoll für ERC-20 und andere Token, das auf der Ethereum-Blockchain eingesetzt wird, ist ein gutes Beispiel dafür. Anstatt als singulärer DEX zu fungieren, bietet es einen Rahmen für Parteien, die als “Relayer” bekannt sind, um Off-Chain-Order-Bücher zu verwalten. Durch die Nutzung von 0x-Smart-Contracts und einigen anderen Tools können Hosts auf einen kombinierten Liquiditätspool zugreifen und Orders zwischen Benutzern weiterleiten. Der Trade wird erst dann on-chain ausgeführt, wenn die Parteien vermittelt wurden.

Diese Ansätze sind aus der Sicht der Benutzerfreundlichkeit besser als jene, die auf On-Chain-Order-Bücher beruhen. Sie unterliegen nicht den gleichen Einschränkungen in Bezug auf die Geschwindigkeit, da sie die Blockchain nicht so häufig verwenden. Dennoch muss der Handel über sie abgewickelt werden, so dass das Off-Chain-Order-Buch-Modell den CEXs in Bezug auf die Geschwindigkeit immer noch unterlegen ist.

Zu den Implementierungen von Off-Chain-Order-Büchern gehören Binance DEX, IDEX und EtherDelta.


Automated Market Makers (AMM)

Haben Sie es satt, den Begriff “Order-Buch” zu lesen? Großartig, denn das Automated Market Maker (AMM)-Modell macht diese Idee ganz und gar überflüssig. Es sind keine Maker oder Taker erforderlich, nur Benutzer, Spieltheorie und ein bisschen formelhafte schwarze Magie. 
Die Besonderheiten von AMMs hängen von der Implementierung ab – im Allgemeinen reihen sie einige Smart Contracts aneinander und bieten clevere Anreize, um die Beteiligung der Nutzer sicherzustellen. Wir werden diese Implementierungen nicht im Detail erläutern, aber sehen Sie sich zum Beispiel Was ist Uniswap und wie funktioniert es? an, um zu verstehen, wie der Uniswap-DEX funktioniert.
Die heute verfügbaren AMM-basierten DEXs sind in der Regel relativ benutzerfreundlich und lassen sich in Wallets wie MetaMask oder Trust Wallet integrieren. Wie auch bei anderen Formen von DEXs muss jedoch eine On-Chain-Transaktion durchgeführt werden, um Trades abzuwickeln.

Zu den Projekten, die in diesem Bereich arbeiten, gehören das bereits erwähnte Uniswap und das Kyber-Netzwerk (das das Bancor-Protokoll anzapft), die beide den Handel mit ERC-20-Token erleichtern.


Vor- und Nachteile von DEXs

In den vorangegangenen Abschnitten haben wir in groben Zügen einige der Vor- und Nachteile von DEXs angesprochen. Lassen Sie uns noch ein bisschen mehr darauf eingehen.


Vorteile von DEXs

Kein KYC

Die Einhaltung von KYC/AML (Know Your Customer und Anti-Money Laundering) Bestimmungen ist für viele Börsen die Norm. Aus regulatorischen Gründen müssen Einzelpersonen oft Identitätsdokumente und Adressnachweise einreichen.

Für einige ist dies ein Problem der Privatsphäre und für andere ein Problem der Zugänglichkeit. Was ist, wenn Sie keine gültigen Dokumente zur Hand haben? Was ist, wenn die Informationen irgendwie geleaked werden? Da DEXs genehmigungslos sind, überprüft niemand Ihre Identität. Alles, was Sie brauchen, ist eine Wallet für Krypto-Währungen.

Es gibt jedoch einige rechtliche Anforderungen, wenn DEXs teilweise von einer zentralen Institution betrieben werden. In einigen Fällen, wenn das Order-Buch zentralisiert ist, muss der Betreiber gewisse Vorschriften einhalten.


Kein Gegenparteirisiko

Der primäre Reiz dezentralisierter Börsen für Krypto-Währungen besteht darin, dass sie nicht die Gelder der Kunden verwahren. Daher würden selbst katastrophale SIcherheitslücken wie der Mt. Gox-Hack im Jahr 2014 weder die Gelder der Benutzer gefährden noch sensible persönliche Informationen preisgeben.


Nicht gelistete Token

Token, die nicht an zentralisierten Börsen gelistet sind, können immer noch frei auf DEXs gehandelt werden, vorausgesetzt, es gibt Angebot und Nachfrage.


Nachteile von DEXs

Benutzerfreundlichkeit

Realistisch betrachtet sind DEXs nicht annähernd so benutzerfreundlich wie traditionelle Börsen. Zentralisierte Plattformen bieten Echtzeit-Handel, der nicht von Blockzeiten beeinflusst wird. Für Neueinsteiger, die mit nicht-verwahrten Krypto-Wallets noch nicht vertraut sind, bieten CEXs eine angenehmere Erfahrung. Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es einfach zurücksetzen. Wenn Sie jedoch Ihre Seed Phrase verlieren, sind Ihre Gelder unwiederbringlich im Cyberspace verloren gegangen.


Handelsvolumen und Liquidität

Das an den CEXs gehandelte Volumen stellt das der DEXs immer noch in den Schatten. Vielleicht noch wichtiger ist, dass CEXs tendenziell auch eine höhere Liquidität haben. Die Liquidität ist ein Maß dafür, wie leicht Sie Assets zu einem vernünftigen Preis kaufen oder verkaufen können. Auf einem hochliquiden Markt haben Gebote und Gesuche nur geringe Preisunterschiede, was auf einen hohen Wettbewerb zwischen Käufern und Verkäufern hindeutet. Auf einem illiquiden Markt wird es schwieriger sein, jemanden zu finden, der das Asset zu einem vernünftigen Preis handeln will.

DEXs sind immer noch eine relative Nische, so dass es nicht immer ein Angebot oder eine Nachfrage nach den Crypto-Assets gibt, mit denen Sie handeln möchten. Es kann sein, dass Sie nicht in der Lage sind, die Handelspaare zu finden, die Sie verwenden möchten, und wenn Sie dies tun, werden die Assets möglicherweise nicht zu einem fairen Preis gehandelt.


Gebühren

Die Gebühren sind auf DEXs nicht immer höher, aber sie können höher sein, insbesondere wenn das Netzwerk überlastet ist oder wenn Sie ein On-Chain-Order-Buch verwenden.


Fazit

Im Laufe der Jahre sind viele dezentralisierte Börsen entstanden, die alle an frühere Versuche anknüpften, die Benutzererfahrung zu rationalisieren und leistungsfähigere Handelsplattformen aufzubauen. Letztlich scheint die Idee stark mit dem Ethos der Eigenverantwortung verbunden zu sein: Wie bei den Krypto-Währungen sollten die Benutzer keiner dritten Partei vertrauen müssen.

Mit dem Aufkommen von DeFi haben die auf Ethereum basierenden DEXs einen massiven Anstieg in der Nutzung erfahren. Wenn die Dynamik anhält, werden wir wahrscheinlich eine zunehmende Innovation der Technologie in der gesamten Branche erleben.