Bid-Ask-Spread und Slippage erklÀrt
Startseite
Artikel
Bid-Ask-Spread und Slippage erklÀrt

Bid-Ask-Spread und Slippage erklÀrt

AnfÀnger
Veröffentlicht Jun 10, 2021Aktualisiert Feb 10, 2023
8m

TL;DR 

Der Bid-Ask-Spread ist die Differenz zwischen dem niedrigsten verlangten Preis fĂŒr ein Asset und dem höchsten gebotenen Preis. Liquide Assets wie Bitcoin haben einen geringeren Spread als Assets mit weniger LiquiditĂ€t und Handelsvolumen.

Slippage tritt auf, wenn ein Handel zu einem Durchschnittspreis abgerechnet wird, der von dem ursprĂŒnglich angeforderten Preis abweicht. Dies geschieht hĂ€ufig bei der AusfĂŒhrung von Market-Orders. Wenn nicht genĂŒgend LiquiditĂ€t vorhanden ist, um deine Order auszufĂŒhren, oder der Markt volatil ist, kann sich der endgĂŒltige Orderpreis Ă€ndern. Um Slippage bei Assets mit geringer LiquiditĂ€t zu vermeiden, kannst du versuchen, deine Order in kleinere Teile aufzuteilen.


EinfĂŒhrung

Wenn du Assets an einer Kryptobörse kaufst und verkaufst, sind die Marktpreise direkt mit Angebot und Nachfrage verbunden. Neben dem Preis sind weitere wichtige Faktoren, wie das Handelsvolumen, die MarktliquiditĂ€t und die Ordertypen zu berĂŒcksichtigen. AbhĂ€ngig von den Marktbedingungen und den von dir verwendeten Ordertypen wirst du nicht immer den gewĂŒnschten Preis fĂŒr einen Handel erhalten.

Es findet eine stĂ€ndige „Preisverhandlung“ zwischen KĂ€ufern und VerkĂ€ufern statt, die eine Spanne zwischen den beiden Seiten erzeugt (den Bid-Ask-Spread). AbhĂ€ngig von der Menge eines Assets, das du handeln möchtest, und seiner VolatilitĂ€t, kannst du auch auf Slippage stoßen (mehr dazu spĂ€ter). Um also keine Überraschungen zu erleben, ist es hilfreich, sich ein paar Grundkenntnisse ĂŒber das Orderbuch einer Börse anzueignen.


Was ist der Bid-Ask-Spread?

Der Bid-Ask-Spread ist die Differenz zwischen dem höchsten Bid-Preis und dem niedrigsten Ask-Preis eines Orderbuchs. In traditionellen MÀrkten wird der Spread oft von den Market-Makern oder Broker-LiquiditÀtsanbietern erstellt. An KryptomÀrkten ergibt sich der Spread aus der Differenz zwischen Limit-Orders von KÀufern und VerkÀufern.
Wenn du einen sofortigen Kauf zum Marktpreis tĂ€tigen möchtest, musst du den niedrigsten Ask-Preis eines VerkĂ€ufers akzeptieren. Wenn du einen Sofortverkauf durchfĂŒhren möchtest, nimmst du den höchsten Bid-Preis eines KĂ€ufers an. Etwas liquidere MĂ€rkte (wie beispielsweise der Devisenmarkt) haben engere Bid-Ask-Spreads, was bedeutet, dass KĂ€ufer und VerkĂ€ufer deine Orders ausfĂŒhren können, ohne signifikante Änderungen im Preis eines Assets zu verursachen. Dies ist auf ein großes Ordervolumen im Orderbuch zurĂŒckzufĂŒhren. Ein grĂ¶ĂŸerer Bid-Ask-Spread fĂŒhrt zu stĂ€rkeren Preisschwankungen beim Schließen von Orders mit großem Volumen.


Market-Maker und Bid-Ask-Spread

Das Konzept der LiquiditĂ€t ist fĂŒr die FinanzmĂ€rkte wesentlich. Wenn du versuchst, auf MĂ€rkten mit geringer LiquiditĂ€t zu traden, kann es sein, dass du stunden- oder sogar tagelang warten musst, bis ein anderer Trader eine  Gegen-Order erteilt.

Die Schaffung von LiquiditĂ€t ist wichtig, aber nicht alle MĂ€rkte verfĂŒgen ĂŒber genĂŒgend LiquiditĂ€t dank einzelner Trader. In traditionellen MĂ€rkten stellen beispielsweise Broker und Market-Maker LiquiditĂ€t im Gegenzug fĂŒr Arbitragegewinne zur VerfĂŒgung.

Ein Market-Maker kann den Bid-Ask-Spread ausnutzen, indem er ein Asset gleichzeitig kauft und verkauft. Indem sie immer wieder zum höheren Ask-Preis verkaufen und zum niedrigeren Bid-Preis kaufen, können Market-Maker den Spread als Arbitrage-Gewinn einstreichen. Selbst ein kleiner Spread kann betrĂ€chtliche Gewinne bringen, wenn er den ganzen Tag ĂŒber in einer großen Menge gehandelt wird. Stark nachgefragte Assets haben kleinere Spreads, da Market-Maker miteinander konkurrieren und den Spread einengen.

Zum Beispiel kann ein Market-Maker gleichzeitig anbieten, BNB fĂŒr $350 pro Coin zu kaufen und BNB fĂŒr $351 zu verkaufen, wodurch ein Spread von $1 entsteht. Jeder, der sofort am Markt handeln will, muss seine Positionen treffen. Der Spread ist nun reiner Arbitragegewinn fĂŒr den Market-Maker, der verkauft, was andere kaufen und kauft, was sie verkaufen.


Depth-Charts und Bid-Ask-Spread

Wir wollen nun einen Blick auf einige reale KryptowÀhrungsbeispiele und die Beziehung zwischen Volumen, LiquiditÀt und Bid-Ask-Spread werfen. Auf der BenutzeroberflÀche der Binance Börse kannst du die Bid-Ask-Spread ganz einfach sehen, indem du in die Chart-Ansicht [Tiefe] wechselst. Diese SchaltflÀche befindet sich in der oberen rechten Ecke des Chart-Bereichs.


Die Option [Tiefe] zeigt eine grafische Darstellung des Orderbuchs eines Assets. Du siehst die Menge und den Preis der Gebote in grĂŒn sowie die Menge und den Preis der Nachfragen in rot. Die LĂŒcke zwischen diesen beiden Bereichen ist der Bid-Ask-Spread, den du berechnen kannst, indem du den roten Ask-Preis nimmst und den grĂŒnen Bid-Preis davon abziehst.


Wie wir bereits erwĂ€hnt haben, gibt es eine implizite Beziehung zwischen LiquiditĂ€t und kleineren Bid-Ask-Spreads. Das Handelsvolumen ist ein hĂ€ufig verwendeter Indikator fĂŒr LiquiditĂ€t, daher erwarten wir ein höheres Volumen mit geringeren Bid-Ask-Spreads als Prozentsatz des Preises eines Assets. Bei stark gehandelten KryptowĂ€hrungen, Aktien und anderen Assets gibt es viel mehr Wettbewerb zwischen Tradern, die den Bid-Ask-Spread ausnutzen wollen.


Bid-Ask-Spread in Prozent

Um den Bid-Ask-Spread von verschiedenen KryptowĂ€hrungen oder Assets zu vergleichen, mĂŒssen wir ihn prozentual auswerten. Die Berechnung ist einfach:

(Ask-Preis - Bid-Preis)/Ask-Preis x 100 = Bid-Ask-Spread in Prozent

Nehmen wir BIFI als Beispiel. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels hatte BIFI einen Ask-Preis von $907 und einen Bid-Preis von $901. Diese Differenz ergibt einen Bid-Ask-Spread von $6. $6 geteilt durch $907, dann mit 100 multipliziert, ergibt einen endgĂŒltigen Bid-Ask-Spread-Prozentsatz von etwa 0,66 %.


Nehmen wir nun an, dass Bitcoin einen Bid-Ask-Spread von $3 hat. Obwohl es die HĂ€lfte von dem ist, was wir bei BIFI gesehen haben, wenn wir sie prozentual vergleichen, betrĂ€gt der Bid-Ask-Spread von Bitcoin nur 0,0083%. BIFI hat auch ein deutlich geringeres Handelsvolumen, was unsere Theorie unterstĂŒtzt, dass weniger liquide Assets tendenziell grĂ¶ĂŸere Bid-Ask-Spreads haben.

Der geringere Spread von Bitcoin erlaubt es uns, einige Schlussfolgerungen zu ziehen. Ein Asset mit einem geringeren Bid-Ask-Spread-Prozentsatz ist wahrscheinlich viel liquider. Wenn du große Market-Orders ausfĂŒhren möchtest, besteht in der Regel ein geringeres Risiko, dass du einen Preis zahlen musst, den du nicht erwartet hast.


Was ist Slippage?

Slippage ist ein hĂ€ufiges PhĂ€nomen in MĂ€rkten mit hoher VolatilitĂ€t oder geringer LiquiditĂ€t. Slippage tritt auf, wenn ein Trade zu einem anderen Preis als erwartet oder gewĂŒnscht abgerechnet wird. 

Nehmen wir zum Beispiel an, du möchtest eine große Market-Kauforder bei $100 platzieren, aber der Markt hat nicht die nötige LiquiditĂ€t, um deine Order zu diesem Preis auszufĂŒhren. Dies hat zur Folge, dass du die folgenden Orders (ĂŒber 100 $) annehmen musst, bis deine Order vollstĂ€ndig erfĂŒllt ist. Dies wird dazu fĂŒhren, dass der Durchschnittspreis deines Kaufs höher als 100 $ ist, und das nennen wir Slippage.

Mit anderen Worten: Wenn du eine Market-Order erstellst, gleicht eine Börse deinen Kauf oder Verkauf automatisch mit Limit-Orders im Orderbuch ab. Das Orderbuch wird dir den besten Preis zuordnen, aber du wirst in der Orderkette weiter nach oben gehen, wenn das Volumen fĂŒr deinen Wunschpreis nicht ausreicht. Dieser Prozess fĂŒhrt dazu, dass der Markt deine Order zu unerwarteten, unterschiedlichen Preisen ausfĂŒhrt.

Bei KryptowĂ€hrungen ist Slippage ein hĂ€ufiges PhĂ€nomen bei automatisierten Market-Makern und dezentralen Börsen. Die Slippage kann bei volatilen oder Altcoins mit geringer LiquiditĂ€t ĂŒber 10% des erwarteten Preises betragen.


Positive Slippage‍

Slippage bedeutet nicht unbedingt, dass du am Ende einen schlechteren Preis als erwartet erhÀltst. Positive Slippage kann auftreten, wenn der Preis fÀllt, wÀhrend du deine Kauforder erteilst, oder steigt, wenn du eine Verkaufsorder erteilst. Obwohl dies ungewöhnlich ist, kann es in einigen sehr volatilen MÀrkten zu einer positiven Slippage kommen.


Slippage-Toleranz

An einigen Börsen kannst du manuell eine Toleranzschwelle fĂŒr Slippage einstellen, um eventuell auftretende Slippage zu begrenzen. Du wirst diese Option in automatisierten Market-Makern wie PancakeSwap auf der Binance Smart Chain und Uniswap auf Ethereum sehen.


Die Höhe der eingestellten Slippage kann sich auf die Zeit auswirken, die deine Order zur vollstĂ€ndigen AusfĂŒhrung benötigt. Wenn du die Slippage niedrig einstellst, kann es lange dauern, bis deine Order ausgefĂŒhrt wird, oder sie wird ĂŒberhaupt nicht ausgefĂŒhrt. Wenn du den Wert zu hoch ansetzt, kann ein anderer Trader oder Bot deine ausstehende Order sehen und dir zuvorkommen (Front-Running). 

In diesem Fall geschieht Front-Running, wenn ein anderer Trader eine höhere GasgebĂŒhr als du festlegt, um das Asset zuerst zu kaufen. Der Frontrunner gibt dann einen weiteren Trade ein, um ihn an dich zu dem höchsten Preis zu verkaufen, den du aufgrund deiner Slippage-Toleranz bereit bist zu akzeptieren.


Minimierung von negativer Slippage

Du kannst Slippage zwar nicht immer vermeiden, aber es gibt einige Strategien, mit denen du versuchen kannst, sie zu minimieren.

1. Anstatt eine große Order zu machen, versuche, sie in kleinere Blöcke zu unterteilen. Behalte das Orderbuch genau im Auge, um deine Orders zu verteilen, und achte darauf, dass du keine Orders erteilst, die grĂ¶ĂŸer sind als das verfĂŒgbare Volumen.

2. Wenn du eine dezentralisierte Börse verwendest, vergiss nicht, die TransaktionsgebĂŒhren zu berĂŒcksichtigen. Einige Netzwerke haben saftige GebĂŒhren, die vom Verkehr auf der Blockchain abhĂ€ngen, die jegliche Gewinne, die du erzielen könntest, wenn du Slippage vermeidest, zunichte machen können.

3. Wenn du Assets mit geringer LiquiditĂ€t tradest, wie z. B. in einem kleinen LiquiditĂ€tspool, kann deine HandelsaktivitĂ€t den Preis des Assets erheblich beeinflussen. Bei einer einzelnen Transaktion kann es zu einer geringen Abweichung kommen, aber viele kleinere Transaktionen beeinflussen den Preis des nĂ€chsten Blocks von Transaktionen, die du durchfĂŒhrst.
4. Verwende Limit-Orders. Diese Orders stellen sicher, dass du beim Traden den gewĂŒnschten oder einen besseren Preis erhĂ€ltst. Du opferst zwar die Geschwindigkeit einer Market-Order, kannst aber sicher sein, dass du keine negative Slippage erleben wirst.


Zusammenfassung

Wenn du mit KryptowĂ€hrungen tradest, solltest du nicht vergessen, dass ein Bid-Ask-Spread oder eine Slippage den Endpreis deiner Trades verĂ€ndern können. Du kannst sie nicht immer vermeiden, aber es lohnt sich, sie in deine Entscheidungen einzubeziehen. Bei kleineren Trades kann dies minimal sein, aber denke daran, dass bei Orders mit großem Volumen der Durchschnittspreis pro Einheit höher sein kann als erwartet.

FĂŒr jeden, der mit Decentralized Finance experimentiert, ist das VerstĂ€ndnis von Slippage ein wichtiger Teil der Trading-Grundlagen. Ohne einige Grundkenntnisse besteht ein hohes Risiko, dass du dein Geld durch Front-Running oder ĂŒbermĂ€ĂŸige Slippage verlierst.