Was ist eine Realrendite in DeFi?
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Was ist eine Realrendite in DeFi?

Was ist eine Realrendite in DeFi?

Fortgeschritten
Veröffentlicht Jan 25, 2023Aktualisiert Jun 16, 2023
6m

TL;DR

Die Krypto-Realrendite als Metrik vergleicht die angebotene Rendite eines Projekts mit seinen Einnahmen. Wenn die Staking-Ertr√§ge real gr√∂√üer sind als die angebotenen Zinsen, sind die Emissionen verw√§ssernd. Das bedeutet, dass ihre Rendite nicht nachhaltig bzw. nicht ‚Äěreal‚Äú ist. Eine Realrendite ist nicht zwangsl√§ufig besser als eine Verw√§sserungsrendite, die oft zu Marketingzwecken verwendet wird. Dieser Indikator kann jedoch ein n√ľtzliches Instrument sein, um die langfristigen Ertragsaussichten eines Projekts zu beurteilen.

Einf√ľhrung

Die betr√§chtlichen APYs, die oft in der Welt des dezentralen Finanzwesens (DeFi) angeboten werden, sind sicherlich f√ľr viele Anleger faszinierend. Wenn du jedoch jemals auf 100% oder sogar 1.000% Rendite bei einer Staking-M√∂glichkeit gesto√üen bist, fragst du dich zurecht, ob das nicht zu gut ist, um wahr zu sein. Eine beliebte Methode zur Bewertung der versprochenen Renditen ist die Berechnung der realen Rendite eines Projekts. Diese einfache, schnelle und relativ effektive Berechnung kann dir helfen, die Versprechen eines Projekts auf einen Blick zu beurteilen und abzusch√§tzen, wie ‚Äěreal‚Äú seine Rendite tats√§chlich ist.

Was ist DeFi-Yield-Farming?

Yield-Farming erm√∂glicht es Nutzern, Krypto-Belohnungen zu verdienen, wenn sie ihre Assets in ertragsstarken Pools einzahlen. Es gibt verschiedene Yield-Farming-M√∂glichkeiten, darunter Liquidit√§tspools, natives Netzwerk-Staking und Ausleihprotokolle. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie eine Rendite f√ľr den Nutzer generieren, im Austausch daf√ľr, dass sie seine Mittel verwenden. Es ist √ľblich, dass Yield-Farmer Protokolle nutzen, die ihre Ertr√§ge maximieren ‚Äď sogenannte Yield-Optimizer. Auf der Suche nach den besten Renditen bewegen Yield-Farmer h√§ufig ihre Mittel zwischen verschiedenen Protokollen, die auf dem Markt erh√§ltlich sind.

Da DeFi immer beliebter wurde, begannen viele Protokolle, h√∂here Belohnungen als Anreiz f√ľr Staker anzubieten. Dies f√ľhrte jedoch oft zu unnat√ľrlich hohen und nicht nachhaltigen APYs von teilweise mehr als 1.000%. Sobald diese APYs aufgrund der schwindenden Liquidit√§tsreserven des Projekts fielen, st√ľrzten die Token-Preise oft ab, da die Nutzer sich beeilten, die gefarmten Tokens zu verkaufen. Es stellte sich heraus, dass die Nachfrage nach solchen Tokens eher durch die Emissionen als durch ihren praktischen Nutzen gest√ľtzt wurde.

Wie kann man angesichts der hohen APYs im DeFi-Bereich den wahren Wert von Projekten und ihr Zinspotenzial einschätzen? Eine Möglichkeit ist die Betrachtung der Krypto-Realrendite eines Projekts.

Reale und nachhaltige Rendite vs. Verwässerungsemissionen

Wenn wir die Rendite als ‚Äěreal‚Äú bezeichnen, sprechen wir von ihrer Nachhaltigkeit. Wenn die Einnahmen des Projekts die Menge der an die Staker verteilten Tokens abdecken, werden die eigenen Mittel nicht aufgezehrt. Theoretisch k√∂nnte das Projekt bei gleichbleibenden Einnahmen die gleiche Realrendite auf unbestimmte Zeit beibehalten.¬†

Es kommt jedoch auch h√§ufig zu Verw√§sserungsemissionen ‚Äď ein Szenario, bei dem ein Projekt den APY auf eine Art und Weise auszahlt, die auf lange Sicht nicht nachhaltig ist, meist durch Ersch√∂pfung der Liquidit√§tsreserven. Sollten die Einnahmen des Projekts nicht steigen, ist es unm√∂glich, das gleiche Niveau an APY aufrechtzuerhalten. Ein solcher APY wird h√§ufig in Form von projekteigenen Tokens ausgesch√ľttet, da ein gro√üer Teil davon leicht verf√ľgbar ist.

Staker k√∂nnten diese Tokens auch farmen und auf dem freien Markt verkaufen, wodurch ihr Preis sinkt. Dies kann zu einem Teufelskreis f√ľhren, bei dem mehr native Tokens ausgegeben werden m√ľssen, um den gleichen APY zu bieten, was die Liquit√§tsreserven noch schneller ersch√∂pft.

Beachte, dass ‚ÄěRealrendite‚Äú zwar vorzugsweise in Blue-Chip-Tokens ausgegeben wird, ein Projekt, das seinen eigenen Token vertreibt, dies aber auch auf nachhaltige Weise tun k√∂nnte.

Was ist die Krypto-Realrendite als Metrik?

Die Krypto-Realrendite ist eine einfach anzuwendende Metrik, um die angebotene Rendite eines Projekts im Verhältnis zu seinen Einnahmen zu bewerten. Dies ermöglicht es dir zu sehen, wie viel der Belohnungen des Projekts verwässernd sind oder hauptsächlich durch Token-Emissionen statt durch Einnahmen finanziert werden. Schauen wir uns ein Beispiel an. 

Im Laufe eines Monats hat Projekt X 10.000 seiner Tokens zu einem Durchschnittspreis von 10 USD verteilt, wodurch sich der Gesamtemissionswert auf 100.000 USD bel√§uft. Im gleichen Zeitraum hat das Projekt 50.000 USD an Einnahmen erzielt. Mit nur 50.000 USD an Einnahmen, aber 100.000 USD an ausgezahlten Emissionen ergibt sich ein Realrenditedefizit von 50.000 USD. Es ist also klar, dass der angebotene APY in hohem Ma√üe von verw√§ssernden Emissionen und nicht von realem Wachstum abh√§ngt. Unser einfaches Beispiel l√§sst die Betriebskosten unber√ľcksichtigt, ist aber dennoch eine vern√ľnftige grobe Sch√§tzung f√ľr die Bewertung der Rendite.

Du hast vielleicht bemerkt, dass die Realrendite konzeptionell √§hnlich ist wie die Dividende am Aktienmarkt. Ein Unternehmen, das Dividenden an seine Aktion√§re aussch√ľttet, denen keine entsprechenden Einnahmen gegen√ľberstehen, w√§re offensichtlich nicht nachhaltig. Bei Blockchain-Projekten stammen die Einnahmen haupts√§chlich aus den Geb√ľhren f√ľr eine angebotene Dienstleistung. Im Falle eines automatisierten Market-Makers (AMM) k√∂nnte dies eine Liquidit√§tspool-Transaktionsgeb√ľhr sein, w√§hrend ein Yield-Optimierer seine Leistungsgeb√ľhr mit den Inhabern seines Governance-Tokens teilen kann.

Wie stellst du sicher, dass deine DeFi-Rendite real ist?

Zun√§chst musst du ein seri√∂ses Projekt finden, das einen vertrauensw√ľrdigen und bew√§hrten Dienst anbietet. Damit hast du die beste Ausgangsbasis, um nachhaltige Ertr√§ge zu erzielen. Als N√§chstes solltest du einen Blick auf das Ertragspotenzial des Projekts werfen und darauf, wie genau du dich beteiligst. M√∂glicherweise musst du einem Protokoll Liquidit√§t verschaffen oder dessen Governance-Tokens in einen Pool einbringen. Auch das Sperren nativer Tokens ist ein g√§ngiger Mechanismus.¬†

Viele Anleger bevorzugen die Auszahlung von Renditen in Blue-Chip-Tokens, da diese Assets als weniger volatil gelten. Wenn du ein Projekt gefunden und seinen Mechanismus verstanden hast, denke daran, die Realrendite des Projekts anhand der obigen Formel zu √ľberpr√ľfen. Werfen wir einen Blick auf ein Renditemodell, bei dem die Realrendite in die Tokenomics integriert ist ‚Äď und darauf, wie man sie mit unserer Metrik √ľberpr√ľfen kann.

Ein automatisiertes Market-Maker-Protokoll bietet zwei Arten von Renditen. Erstens f√ľr die Inhaber seines Governance-Tokens ABC und zweitens f√ľr die Inhaber seines Liquidit√§tsanbieter-Tokens XYZ. Zehn Prozent der Plattformeinnahmen werden f√ľr die Liquidit√§tsreserven einbehalten, und der Rest wird 50/50 zwischen den Inhabern der beiden Tokens in ihren jeweiligen Belohnungspools aufgeteilt und in BNB ausgezahlt.¬†

Nach deinen Berechnungen erzielt das Projekt monatliche Einnahmen in Höhe von 200.000 USD. Gemäß den Tokenomics des Projekts werden 90.000 USD von BNB an Staker im ABC-Belohnungspool und 90.000 USD an Staker im XYZ-Belohnungspool verteilt. Wir können die Realrendite wie folgt berechnen:

200.000 USD ‚Äď (90.000 USD x 2) = 20.000 USD

Unsere Berechnung zeigt, dass es einen √úberschuss von 20.000 USD gibt und dass das Ertragsmodell nachhaltig ist. Das Tokenomics-Modell zur Ertragsverteilung garantiert, dass die Emissionen niemals h√∂her sind als die Einnahmen. Die Wahl eines DeFi-Projekts mit einem nachhaltigen Auszahlungsmodell ist gro√üartig, um echte Ertr√§ge zu erzielen, ohne selbst mit den Zahlen arbeiten zu m√ľssen.

Wird DeFi besser, wenn man sich auf Realrenditen verlässt?

Kurz gesagt, nicht unbedingt. Einige Projekte haben in der Vergangenheit erfolgreich mit Emissionen gearbeitet, um Nutzer zu gewinnen. In der Regel nehmen diese Projekte ihre Emissionen schrittweise zur√ľck und gehen zu nachhaltigeren Modellen √ľber. Es w√§re falsch zu sagen, dass das Streben nach echten Ertr√§gen objektiv besser ist und dass der R√ľckgriff auf Emissionen v√∂llig unhaltbar ist. Aber auf lange Sicht k√∂nnen nur solche DeFi-Projekte bestehen, die mit echten Anwendungsf√§llen Einnahmen generieren.

Fazit

Angesichts der Erfahrungen aus fr√ľheren DeFi-Zyklen w√§re es f√ľr die Branche von Vorteil, wenn mehr Protokolle erfolgreich Funktionen implementieren w√ľrden, die die Akzeptanz und eine nachhaltige Umsatzgenerierung f√∂rdern. Auch bei den Emissionen ist die Botschaft klar: Die Nutzer t√§ten gut daran, sie als das zu verstehen, was sie sind, sowie ihre Rolle bei der Erweiterung der Nutzerbasis von Projekten und dem Erreichen von Nachhaltigkeit.

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