Wie man Kryptowährungen vererbt
Startseite
Artikel
Wie man Kryptowährungen vererbt

Wie man Kryptowährungen vererbt

Mittel
Veröffentlicht Apr 19, 2023Aktualisiert Nov 15, 2023
9m

Dieser Artikel ist ein Beitrag der Community. Der Autor ist Richard Marshall, ein Anwalt aus England, der sich auf Kryptowährungen spezialisiert hat.

Die Ansichten in diesem Artikel sind die des Verfassers und entsprechen möglicherweise nicht denen der Binance Academy.

TL;DR

  • Die dezentrale Natur von Kryptow√§hrungen bringt einige spezielle Herausforderungen im Hinblick auf die Weitergabe der eigenen Kryptow√§hrungen nach dem Tod mit sich.

  • Du solltest dir Gedanken dar√ľber machen, wie deine Angeh√∂rigen deine Kryptow√§hrungen finden und darauf zugreifen k√∂nnen.

  • Es gibt viele L√∂sungen, die vom Aufschreiben von Seed-Phrasen √ľber verschl√ľsselte private Schl√ľssel bis hin zu sogenannten Totmannschaltern reichen.

Was mit deinen Kryptowährungen nach deinem Tod passiert

Es ist wichtig, sich fr√ľhzeitig dar√ľber Gedanken zu machen, was im Todesfall mit deinen Krypto-Guthaben passiert.¬†

Mit einer Nachlassplanung kannst du daf√ľr sorgen, dass das Verm√∂gen nach deinen W√ľnschen an deine Erben verteilt wird. Wenn du jedoch √ľber Kryptow√§hrungen verf√ľgst, stellen sich einige besondere Herausforderungen.¬†

Angesichts der F√ľlle von Software, Hardware und Kryptob√∂rsen, auf denen Kryptow√§hrungen gehalten werden k√∂nnen, ist das Auffinden der digitalen Assets die erste H√ľrde.¬†

Und selbst wenn man die Kryptos lokalisiert hat, braucht man zun√§chst noch die privaten Schl√ľssel, Seed-Phrasen oder PIN-Nummern, um auf die Mittel zugreifen zu k√∂nnen. Andernfalls k√∂nnten die geerbten Kryptow√§hrungen wie Bitcoin, Ether oder andere Altcoins f√ľr immer verloren sein.¬†¬†

Hier erfährst du, wie du als Krypto-Inhaber die Weitergabe deiner Guthaben regelst und als Erbe das Vermögen des Verstorbenen wiedererlangen kannst.

Wie man den Zugang zu Kryptowährungen nach dem Tod sicherstellt

Wer seine Kryptow√§hrungen vererben m√∂chte, sollte fr√ľhzeitig planen. Es gibt viele M√∂glichkeiten, dies zu tun, wobei die g√§ngigsten L√∂sungen die folgenden sind.¬†

Technisch unkomplizierte Lösungen

Papier und Stift 

Du kannst deine privaten Schl√ľssel und Seed-Phrasen aufschreiben und sicher an einem sicheren Ort aufbewahren, zusammen mit spezifischen Anweisungen, wie man nach dem Ableben auf das Verm√∂gen zugreifen kann. Diese einfache L√∂sung hat jedoch den Nachteil, dass die Informationen zu Lebzeiten oder nach dem Tod gestohlen, verlorengehen oder zerst√∂rt werden k√∂nnten.¬†

Als zus√§tzliche Sicherheitsma√ünahme k√∂nntest du diese Informationen in einem Tresor bei einer Bank aufbewahren, die einen Versicherungsschutz anbietet und ein etabliertes Zugriffsverfahren umsetzt, √ľber das deine Erben oder der Testamentsvollstrecker nach deinem Tod Zugang zu den digitalen Assets erhalten.

USB-Stick oder externe Festplatte 

Eine Alternative ist, private Schl√ľssel und Seed-Phrasen auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte zu speichern und diese Informationen mit einem Passwort zu sch√ľtzen, damit sie nicht in die falschen H√§nde geraten. Das gr√∂√üte Risiko besteht hier darin, dass das Ger√§t besch√§digt wird, sodass die Daten nicht mehr abrufbar sind. Wenn du diese Methode bevorzugst, solltest du mehrere Sicherungskopien erstellen.¬†

Allerdings musst du die Passw√∂rter f√ľr deine passwortgesch√ľtzten Dateien an einem sicheren Ort aufbewahren oder speichern, z.B. bei einem Online-Passwortmanager.¬†

Au√üerdem musst du nat√ľrlich daf√ľr sorgen, dass deine Erben wissen, wie sie sp√§ter sicher auf das Verm√∂gen zugreifen k√∂nnen, ohne einem Hackerangriff oder einem Dieb zum Opfer zu fallen.

Ausgereiftere Lösungen

Verschl√ľsselte E-Mail

Du k√∂nntest die privaten Schl√ľssel und Seed-Phrasen in einer verschl√ľsselten E-Mail an einen vertrauensw√ľrdigen Empf√§nger weitergeben, mit Anweisungen, wie nach dem Tod auf die Mittel zugegriffen werden kann. Hier h√§ngt alles von der Vertrauensw√ľrdigkeit der beauftragten Person ab.¬†

Der Zugriff auf die verschl√ľsselte E-Mail kann auch √ľber eine Hosting-Website eines Drittanbieters erfolgen, f√ľr die unter Umst√§nden ein Kennwort erforderlich ist, um Zugang zu erhalten. Wenn die Website jedoch nicht mehr existiert, k√∂nnen diese Informationen verlorengehen.

Totmannschalter

Du kannst auch einen sogenannten Totmannschalter einrichten, der im Falle deines Todes deine privaten Schl√ľssel automatisch an deine Erben weitergibt.¬†

Du musst in regelm√§√üigen Abst√§nden ‚Äď z.B. w√∂chentlich oder monatlich ‚Äď best√§tigen, dass du noch am Leben bist, indem du eine E-Mail abrufst oder eine kurze Aufgabe ausf√ľhrst. Tust du dies nicht, wird der Totmannschalter aktiviert, und die privaten Schl√ľssel werden automatisch an den von dir bestimmten Empf√§nger weitergegeben.

Diese Methode hat nur einen gro√üen Nachteil. Vielleicht kannst du deine Anwesenheit auch aus anderen Gr√ľnden als dem Tod nicht verifizieren, z.B. wegen Krankheit oder fehlender Internetverbindung. Ein weiteres Problem ist, dass du dem Empf√§nger der Krypto-Zugangsdaten vertrauen musst, dass er die Kryptow√§hrungen an den vorgesehenen Erben weitergibt, wenn es sich dabei nicht um dieselbe Person handelt. Dar√ľber hinaus kann diese Form der Verm√∂gens√ľbertragung in deinem Land verboten sein.¬†

Wenn du dich f√ľr einen Totmannschalter entscheidest, solltest du dich unbedingt von einem Experten beraten lassen, um sicherzustellen, dass die Verm√∂genswerte auch wirklich bei deinen beabsichtigten Erben landen.

Gemeinsame Wallet-Wiederherstellung √ľber Datenverwahrungsdienste

Du kannst die gemeinsame Wiederherstellung der Wallet (‚ÄěSocial Recovery‚Äú) √ľber Datenverwahrungsdienste nutzen, wobei du mehrere Vertreter bestimmst, die nach deinem Tod zusammenkommen und die deine Zugangsdaten wiederherstellen.¬†

In der Regel muss der Sterbefall dem Anbieter des Verwahrungsdienstes mit entsprechenden Unterlagen bestätigt werden. Einige dieser Dienste werden auf herkömmlichen Websites gehostet, während andere eine zusätzliche Sicherheitsebene anbieten. 

Bei der Nutzung solcher Dienste ist es wichtig, die richtigen Vertreter auszuw√§hlen und angemessene Bedingungen festzulegen. Vorsicht ist geboten, wenn Verwahrungsdienstanbieter die Wiederherstellung der privaten Schl√ľssel durch die Mehrheit der Vertreter erlauben, ohne dass eine Sterbeurkunde erforderlich ist.¬†

Es ist auch wichtig, klar festzulegen, ob die Vertreter nur die Zugangsdaten erhalten sollen oder ob sie auch erbberechtigt sind. 

Smart-Contract-Wallets von Ethereum und Legacy-Wallets

Die Smart-Contract-Wallets von Ethereum sind eine gute Option f√ľr die gemeinsame Wallet-Wiederherstellung, da sie Multisignatur-Funktionen bieten. Du kannst eine Multisig-Wallet f√ľr dich und deine Erben erstellen, bei der alle Transaktionen von der Mehrheit der Parteien genehmigt werden m√ľssen, auch zu Lebzeiten.¬†

Im Todesfall können die Erben sowie ein oder mehrere persönliche Vertreter des Verstorbenen den Zugang zur Wallet sicherstellen, sodass die Kryptowährungen reibungslos vom Verstorbenen an die Erben weitergegeben werden können. 

Es gibt noch weitere Arten von Legacy-Wallets, die so konfiguriert werden k√∂nnen, dass Krypto-Guthaben zu Lebzeiten darauf √ľbertragen und dann in einem Tresor verwahrt werden. Zu Lebzeiten erh√§lt kein Dritter Zugang dazu. Im Todesfall m√ľssen die pers√∂nlichen Vertreter eine Sterbeurkunde sowie einen Gerichtsbeschluss vorlegen, aus dem hervorgeht, dass sie zum Zugriff auf das Verm√∂gen des Verstorbenen befugt sind. Anbieter von Tresoren bieten in der Regel einen Versicherungsschutz an.¬†

Wie man Kryptowährungen ins Testament aufnimmt 

Es ist ein Unterschied, ob der von dir bestimmte Vertreter nur Zugriff auf deine Kryptowährungen haben soll oder ob er einer der Erben ist. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass Krypto-Vermögen in die Nachlassplanung einbezogen werden. 

Die Gesetze jedes Landes schreiben vor, wie Vermögen vererbt werden können. In der Regel geschieht dies durch ein Testament. Da die meisten Länder digitale Testamente nicht akzeptieren und nach wie vor Papiertestamente mit handschriftlicher Unterschrift verlangen, muss sichergestellt werden, dass Nachlässe in Kryptowährungen rechtlich anerkannt werden. 

Dies kann geschehen, indem im Testament festgelegt wird, wie die privaten Schl√ľssel im Todesfall auf die Vertreter √ľbergehen sollen. Wenn die Vertreter nicht die Erben sind, muss auch gekl√§rt werden, wer Anspruch auf den Nachlass hat.¬†

Was im Todesfall mit den auf Kryptobörsen gehaltenen Kryptowährungen passiert

Zentralisierte Kryptob√∂rsen bieten oft Unterst√ľtzung bei der Lokalisierung von und dem Zugang zu Kryptow√§hrungen von Verstorbenen.

Wenn der Verstorbene die App der Börse auf seinem Smartphone oder Laptop hatte und das Konto so einrichtete, dass er automatisch angemeldet wird, ist die Identifizierung der Vermögenswerte einfach.

Aber Vorsicht: Der Zugriff auf die Konten von Verstorbenen kann heikel sein. In England zum Beispiel kann dies nach dem Computer Misuse Act 1990 eine Straftat sein. Jede Kryptob√∂rse legt in ihren Nutzungsbedingungen eigene Regeln f√ľr die Weitergabe von Passw√∂rtern und die Gew√§hrung des Zugangs an Dritte fest.

Um nicht unwissentlich gegen das Gesetz zu versto√üen, sollte sich der Testamentsvollstrecker mit der Kryptob√∂rse in Verbindung setzen, um sie √ľber den Sterbefall zu informieren und alle relevanten Informationen und Dokumente zu √ľbermitteln. Was dabei zu ber√ľcksichtigen ist, steht in der Regel in den Nutzungsbedingungen der B√∂rse. Grunds√§tzlich sind ein Todesnachweis wie eine Sterbeurkunde und ein Nachweis der Befugnis, den Nachlass des verstorbenen Kontoinhabers zu verwalten, erforderlich. Zum Beispiel kann der Testamentsvollstrecker eine Kopie des Testaments oder eine gerichtliche Vollmacht vorlegen.¬†

Wie Erben auf die privaten Schl√ľssel zugreifen k√∂nnen

Wer seine Kryptow√§hrungen in Selbstverwahrungs-Wallets, wie z.B. Hardware-Wallets oder Papier-Wallets, aufbewahrt, sollte unbedingt einen Plan erstellen, wie einige wenige vertrauensw√ľrdige Personen nach dem Tod auf die privaten Schl√ľssel zugreifen k√∂nnen.

Falls dies vers√§umt wird, findet sich in den meisten F√§llen dennoch eine M√∂glichkeit, Zugang zu den Verm√∂genswerten zu erhalten. Die Dateien mit den privaten Schl√ľsseln k√∂nnten auf einem der Ger√§te des Verstorbenen gespeichert sein, oder der Zettel mit den Seed-Phrasen k√∂nnte in seinen Notizb√ľchern oder seinem Tresor gefunden werden. Wenn der Verstorbene jedoch zus√§tzliche Ma√ünahmen zum Schutz seiner privaten Schl√ľssel ergriffen hat, wie z.B. Verschl√ľsselung oder ein Kennwort, dann wird es sehr viel schwieriger, an die privaten Schl√ľssel zu gelangen. Dies bedeutet auch, dass die Kryptow√§hrungen des Verstorbenen unwiderruflich verloren sein k√∂nnten.

Weitere zu ber√ľcksichtigende Aspekte¬†

Bei der Regelung von Krypto-Nachl√§ssen k√∂nnen sich eine Reihe weiterer Fragen stellen, zum Beispiel, ob und von wem Play-to-Earn-Spiele nach dem Tod weitergespielt werden sollen. Dar√ľber hinaus gibt es Kontroversen dar√ľber, wer Anspruch auf Lizenzgeb√ľhren aus NFTs oder unfertigen Werken hat, und was passiert, wenn der Verstorbene Krypto-Mining oder DAOs betrieben oder Airdrops durchgef√ľhrt hat.¬†

All diese Dinge k√∂nnen in einem Testament gekl√§rt werden, aber alle m√∂glichen Fragen und praktischen Aspekte m√ľssen angemessen ber√ľcksichtigt werden.¬†

Abschießende Gedanken 

Es ist enorm wichtig, genau zu regeln, wie im Falle deines Todes deine Kryptow√§hrungen lokalisiert und auf sie zugegriffen werden kann. Am besten integrierst du die Krypto-Nachlassplanung in dein Testament. Dar√ľber hinaus gilt es sicherzustellen, dass dein Testament g√ľltig ist und die geplante Weitergabe deiner Kryptow√§hrungen an deine Erben in deinem Land legal ist.¬†

Andernfalls kann es passieren, dass sich deine Erben in komplizierten Gerichtsverfahren um deine Kryptowährungen streiten oder deine digitalen Assets nicht an sie weitergegeben werden können.

Weiterf√ľhrende Literatur:

Disclaimer und Risikohinweis: Dieser Inhalt wird dir zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken pr√§sentiert, ohne jegliche Zusicherung oder Garantie. Er ist weder als finanzielle, rechtliche oder sonstige professionelle Beratung noch als Empfehlung f√ľr den Kauf bestimmter Produkte oder Dienstleistungen zu verstehen. Du solltest dich von einem angemessenen professionellen Berater beraten lassen. Wenn der Artikel von einer Drittpartei verfasst wurde, beachte bitte, dass die zum Ausdruck gebrachen Ansichten diejenigen der Drittpartei sind und nicht unbedingt die der Binance Academy widerspiegeln.Bitte lies hier unseren vollst√§ndigen Disclaimer f√ľr weiterf√ľhrende Informationen. Die Preise von Kryptow√§hrungen sind volatil. Der Wert deiner Anlage kann steigen oder fallen. Es kann sein, dass du den investierten Betrag nicht zur√ľckerh√§ltst. Die Verantwortung f√ľr deine Anlageentscheidungen liegt allein bei dir. Die Binance Academy haftet nicht f√ľr etwaige Verluste, die du erleidest. Die hier bereitgestellten Informationen stellen keine finanzielle, rechtliche oder sonstige Beratung dar. Weitere Informationen findest du in unseren Nutzungsbedingungen und unserem Risikohinweis.