Was sind Anti-Geldwäsche-Vorschriften (AML)?
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Was ist AML?
Was ist der Unterschied zwischen AML und KYC?
Was ist Geldwäsche?
Wie wird Geld gewaschen?
Wie funktionieren die AML-Maßnahmen?
Was ist die FATF?
Warum brauchen wir AML in der Kryptowirtschaft?
Beispiele für Krypto-Geldwäscherei
Wie unterstützt Binance AML?
Zusammenfassung
Was sind Anti-Geldwäsche-Vorschriften (AML)?
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Was sind Anti-Geldwäsche-Vorschriften (AML)?

Was sind Anti-Geldwäsche-Vorschriften (AML)?

Anfänger
Veröffentlicht Aug 18, 2021Aktualisiert Sep 3, 2021
7m

TL;DR

Mit den AML-Vorschriften wird versucht, die illegale Geldwäsche von Schwarzgeld zu unterbinden. Einzelne Regierungen und multinationale Organisationen wie die FATF erlassen Gesetze zur Bekämpfung von Geldwäsche.

Bei der Geldwäsche wird „schmutziges“ Geld in sauberes Geld umgewandelt. Dies kann geschehen, indem die illegalen Gelder mit legalen Transaktionen vermischt oder in legale Vermögenswerte investiert werden oder indem ihre Herkunft verschleiert wird.

Kryptowährungen sind aufgrund ihrer Anonymität, der Unumkehrbarkeit von Transaktionen und der unterentwickelten Gesetzgebung eine attraktive Möglichkeit, Geld zu waschen. Breit angelegte Beschlagnahmungen von Kryptowährungen zeigen, dass Kriminelle sie regelmäßig zum Waschen großer Summen nutzen.

Binance und viele andere Kryptobörsen verfolgen verdächtiges Verhalten im Rahmen ihrer AML-Compliance und melden es den Strafverfolgungsbehörden.


Einführung

Die Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche (AML) helfen, das Waschen illegaler Gelder zu bekämpfen. Sie sind eine Voraussetzung für zentralisierte Kryptobörsen, um die Sicherheit der Kunden zu gewährleisten und die Finanzkriminalität zu bekämpfen. Aufgrund des anonymen Charakters von Kryptowährungen hängt die Regulierung stark von der Überwachung des Kundenverhaltens und der Identitäten ab.


Was ist AML?

AML besteht aus Vorschriften und Gesetzen, die die Bewegung und das Waschen illegaler Gelder verhindern. AML ist eng mit der Financial Action Task Force (FATF) verbunden, die 1989 zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit in diesem Bereich gegründet wurde. AML-Maßnahmen zielen beispielsweise auf Terrorismusfinanzierung, Steuerbetrug und internationalen Schmuggel ab. AML unterscheidet sich von Land zu Land, aber es gibt weltweite Bemühungen zur Angleichung der Standards.
Mit dem technischen Fortschritt haben sich auch die Methoden der Geldwäsche weiterentwickelt. Infolgedessen zeigt AML-Software in der Regel ein Verhalten an, das als verdächtig angesehen werden kann. Zu Vorfällen, die einen Alerm auslösen können, gehören große Geldtransfers, wiederholte Geldzuflüsse auf ein Konto und Abgleiche mit Benutzern auf Überwachungslisten. AML gilt nicht nur für Kryptowährungen. Jeder Vermögenswert und jede Fiatwährung kann gemäß den AML-Vorschriften überwacht werden.
Es hat allerdings einige Zeit gedauert, bis die Regulierung mit den Kryptowährungen aufgeholt hat. Da sich die Blockchain-Technologie ständig weiterentwickelt, ändern sich die AML-Verfahren und die Compliance-Maßnahmen regelmäßig. Dies wird jedoch nicht immer als positiv angesehen. Viele Nutzer von Kryptowährungen schätzen deren Anonymität und Dezentralisierung. Aus diesem Grund werden eine stärkere Regulierung und die Dokumentation der Identitäten der Nutzer manchmal als Widerspruch zum Ethos von Kryptowährungen angesehen.


Was ist der Unterschied zwischen AML und KYC?

Die „Know Your Customer“-Prüfung (KYC) ist eine Verpflichtung für Finanzinstitute und Dienstleister im Rahmen der AML-Gesetze. KYC erfordert, dass ein Nutzer persönliche Informationen zur Überprüfung seiner Identität übermittelt. Dieser Prozess schafft eine Verantwortlichkeit für alle finanziellen Transaktionen, die der Nutzer durchführt. KYC ist ein proaktiver Teil von AML und fällt unter die Sorgfaltspflicht gegenüber Kunden. Dies steht im Gegensatz zu anderen AML-Praktiken, bei denen verdächtiges Verhalten reaktiv untersucht wird.


Was ist Geldwäsche?

Von Geldwäsche spricht man, wenn Kriminelle illegale Gelder als rechtmäßiges Vermögen, Investitionen oder Finanzanlagen ausgeben. Die Erlöse stammen aus Straftaten wie Drogenhandel, Terrorismus und Betrug. Die Gesetze und Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche sind von Land zu Land unterschiedlich. Eine stärkere Angleichung der Vorschriften ist jedoch ein Ziel vieler Länder und der FATF.

Es gibt drei Stufen der Geldwäsche:

  • Platzierung: Einschleusen von „schmutzigem“ Geld in das Finanzsystem, z.B. bei Bargeldgeschäften.
  • Schichtung: das Bewegen illegaler Gelder, um ihre Aufspürung zu erschweren. Die Verwendung von Kryptowährungen ist eine Möglichkeit, die Herkunft von „schmutzigem“ Geld zu verschleiern.
  • Integration: Nutzung legaler Investitionen und anderer Finanzkanäle, um das „schmutzige“ Geld wieder in die Wirtschaft einzubringen.


Wie wird Geld gewaschen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die drei oben genannten Schritte zu erreichen. Eine traditionelle Methode besteht darin, gefälschte Quittungen für Bargelddienstleistungen in Geschäften, Restaurants und anderen Unternehmen zu erstellen. Eine Person oder Organisation nutzt die Unternehmen als Fassade für die Geldwäsche. Kriminelle stellen gefälschte Quittungen her und bezahlen sie mit „schmutzigem“ Bargeld, wodurch sie zu legitimen Einnahmen werden. Dieser Zufluss wird dann mit echten Transaktionen vermischt, sodass es schwierig ist, die beiden zu unterscheiden.

Inzwischen liegen jedoch illegale Gelder immer häufiger in digitaler Form und nicht in Form von Bargeld, sondern in digitaler Form vorliegen. Dieser Unterschied verändert die Methoden, die zur Geldwäsche verwendet werden. Es gibt jetzt noch mehr Möglichkeiten als früher, „schmutziges" Geld zu verstecken und zu waschen. Du kannst zum Beispiel direkt Geld überweisen, ohne eine Bank einzuschalten. Zahlungsnetzwerke wie Paypal oder Venmo bieten eine weitere Ebene, die von Geldwäschern genutzt und von den Behörden überwacht werden kann.

Anonymisierungstechnologien wie VPNs und Kryptowährungen machen die Situation noch schwieriger. Es kann unmöglich sein, eine bestimmte Person mit Geldwäscheaktivitäten in Verbindung zu bringen. Eine Methode, dies zu bekämpfen, ist Kryptowährungen „bis ans Ende“ zu verfolgen. Durch die Verfolgung einer „Spur“ auf der Blockchain bis hin zu einer Börse kann man die gewaschenen Gelder mit einem Konto auf einer Kryptobörse oder einem Bankkonto verbinden, das auf den Namen einer Person lautet. Der Kauf von Kryptowährungen in bar oder über Peer-to-Peer-Dienste macht es jedoch schwierig, den Ein- oder Ausgang von Schwarzgeld in das Finanzsystem zu verfolgen.

Eine weitere beliebte Methode ist die Nutzung von Online-Glücksspielseiten. Kriminelle zahlen das Geld, das sie waschen wollen, auf ein Online-Glücksspielkonto ein. Anschließend platzieren sie Wetten, um das Konto legitim erscheinen zu lassen. Schließlich heben sie ihre Gelder ab und erhalten am Ende „sauberes“ Geld. In der Regel wird dies mit mehreren Konten gemacht, um keinen Verdacht zu erwecken. Ein einziges Konto mit hohen Beträgen könnte eine AML-Prüfung auslösen.


Wie funktionieren die AML-Maßnahmen?

Man kann die grundlegenden Aktivitäten einer Regulierungsbehörde oder einer Kryptobörse in drei Schritte unterteilen:

1. Verdächtige Aktivitäten, wie z.B. Ein- und Auszahlungen von großen Beträgen, werden automatisch gekennzeichnet oder gemeldet. Ein weiteres Beispiel ist ein inkonsistentes Verhalten, wie z.B. eine erhöhte Anzahl von Abhebungen von einem Konto, das in der Regel eine geringe Aktivität aufweist.

2. Während oder nach einer Untersuchung wird die Möglichkeit des Users, Geld einzuzahlen oder abzuheben, eingestellt. Damit werden weitere mögliche Geldwäscheaktivitäten unterbunden. Der Ermittler erstellt dann eine Verdachtsmeldung (Suspicious Activity Report, SAR).

3. Wenn es Beweise für illegale Aktivitäten gibt, werden die zuständigen Behörden informiert und die Beweise vorgelegt. Wenn gestohlene Gelder gefunden werden, werden sie nach Möglichkeit an ihre ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben.

Kryptobörsen verfolgen in der Regel einen proaktiven Ansatz zur AML. Angesichts des enormen Drucks, der auf der Kryptobranche lastet, ist es für Börsen wie Binance normal, wachsamer und vorsichtiger zu sein als erforderlich. Die Überwachung von Transaktionen und eine verstärkte Sorgfaltspflicht sind die beiden wichtigsten Instrumente bei der Bekämpfung von Geldwäscheaktivitäten.


Was ist die FATF?

Die FATF ist eine internationale Organisation, die von den G7-Staaten gegründet wurde, um die Finanzierung von Terrorismus und Geldwäsche zu bekämpfen. Durch die Schaffung einer Reihe von Standards, an die sich Regierungen weltweit halten sollten, wird es für Geldwäscher immer schwieriger, Gerichtsbarkeiten zu finden, in denen sie operieren können. 

Die Zusammenarbeit zwischen den Regierungen verbessert auch den Informationsaustausch und das Aufspüren von Geldwäschern. Über 200 Länder haben sich zur Einhaltung der FATF-Standards verpflichtet. Die FATF überwacht alle Teilnehmer durch regelmäßige Peer-Reviews, um sicherzustellen, dass sie sich an die Vorschriften halten.


Warum brauchen wir AML in der Kryptowirtschaft?

Aufgrund des pseudonymen Charakters von Kryptowährungen werden diese häufig von Kriminellen zum Waschen illegaler Gelder und zur Steuerhinterziehung verwendet. Die Regulierung von Kryptowährungen trägt dazu bei, deren allgemeinen Ruf zu verbessern, und sorgt dafür, dass weniger Steuern hinterzogen werden. Verbesserungen bei der Geldwäschebekämpfung kommen legitimen Krypto-Usern zugute, auch wenn AML allen Beteiligten zusätzliche Anstrengungen und Zeitaufwand abverlangt.

Laut Reuters haben Kriminelle im Jahr 2020 schätzungsweise 1,3 Milliarden US-Dollar an „schmutzigem“ Geld über Kryptowährungen gewaschen. Kryptowährungen eignen sich aus mehreren Gründen zur Geldwäsche:

1. Die Transaktionen sind unumkehrbar. Sobald du Gelder über die Blockchain verschickt hast, können diese nicht mehr zurückgegeben werden, es sei denn, der neue Besitzer schickt sie zurück. Die Polizei und die Aufsichtsbehörden können die Gelder nicht für dich zurückholen.

2. Kryptowährungen bieten Anonymität. Einige Coins wie Monero legen Wert auf die Anonymität der Transaktionen. Es gibt auch sogenannte „Tumbler“-Dienste, die Kryptowährungen über verschiedene Wallets schichten, sodass ihre Spur schwer zu verfolgen ist.
3. Ihre Regulierung und Besteuerung sind noch unsicher. Die Steuerbehörden tun sich weltweit immer noch schwer, Kryptowährungen effizient zu besteuern, und Kriminelle nutzen dies aus. 


Beispiele für Krypto-Geldwäscherei

Die Behörden haben einige Erfolge bei der Verfolgung und Ergreifung von Kriminellen, die ihre Gelder über Kryptowährungen waschen. Im Juli 2021 beschlagnahmte die britische Polizei Kryptowährungen im Wert von rund 250 Millionen US-Dollar, die zur Geldwäsche verwendet wurden. Diese Beschlagnahmung war die bisher größte Beschlagnahmung von Kryptowährungen in Großbritannien und übertraf den bisherigen britischen Rekord von 158 Millionen Dollar, der nur wenige Wochen zuvor aufgestellt worden war. 

Im gleichen Monat beschlagnahmten die brasilianischen Behörden 33 Millionen Dollar, die im Rahmen einer ausgeklügelten Geldwäscheaktion gewaschen wurden. Zwei Personen und 17 Unternehmen waren am Kauf von Kryptowährungen beteiligt, um illegal beschaffte Gelder zu verstecken. Die beteiligten kriminellen Organisationen haben die Unternehmen nur zu diesem Zweck gegründet. Die Kryptobörsen arbeiteten auch wissentlich mit den kriminellen Organisationen zusammen und befolgten keine korrekten AML-Verfahren.


Wie unterstützt Binance AML?

Binance hat proaktiv zahlreiche AML-Maßnahmen umgesetzt, um Geldwäsche zu bekämpfen, einschließlich der Erweiterung seiner AML-Erkennungs- und Analysefähigkeiten. Diese Bemühungen fallen unter das AML-Compliance-Programm des Unternehmens. Binance arbeitet auch eng mit internationalen Behörden zusammen, um große cyberkriminelle Organisationen vor Gericht zu bringen.

So spielte Binance beispielsweise eine Rolle bei der Bereitstellung von Beweisen, die zur Verhaftung mehrerer Mitglieder der Cl0p-Ransomware-Gruppe führten. Binance wies auf verdächtige Transaktionen und kriminelle Aktivitäten hin, die dann untersucht wurden. Die Behörden nutzten die Recherche in Zusammenarbeit mit internationalen Agenturen, um Geldwäscher von Ransomware-Angriffen, einschließlich des Petya-Angriffs, zu identifizieren.



Zusammenfassung

Auch wenn AML den Handel mit Kryptowährungen zeitaufwändiger macht, ist es wichtig, alle Beteiligten zu schützen. Leider können Regierungen und Organisationen nicht alle Geldwäschetätigkeiten aus der Welt schaffen, aber die Umsetzung von Vorschriften ist sicherlich hilfreich. Die Technologie wird immer besser, um mögliche Geldwäsche zu erkennen, und seriöse Kryptobörsen nehmen ihre Rolle bei der Verbrechensbekämpfung ernst.