Ein Leitfaden zur Fundamentalanalyse von Kryptowährungen
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Was ist die Fundamentalanalyse (FA)?
Das Problem der Krypto-Fundamentalanalyse
On-Chain-Metriken
Projekt-Metriken
Finanzelle Metriken
Indikatoren, Metriken und Werkzeuge für die Fundamentalanalyse
Kombination von Metriken und Erstellung von FA-Indikatoren
Wichtige FA-Indikatoren und Metriken
Netzwerkwert-zu-Transaktionen-Verhältnis (NVT)
Market Value to Realized Value Ratio (MVRV)
Stock-to-Flow-Modell
Beispiele für Fundamentalanalyse-Tools
Baserank
Crypto Fees
Glassnode Studio
Zusammenfassung
Ein Leitfaden zur Fundamentalanalyse von Kryptowährungen
Startseite
Artikel
Ein Leitfaden zur Fundamentalanalyse von Kryptowährungen

Ein Leitfaden zur Fundamentalanalyse von Kryptowährungen

Mittel
Veröffentlicht Sep 21, 2020Aktualisiert Nov 11, 2022
21m

TL;DR

Bei der Krypto-Fundamentalanalyse geht es darum, tief in die verfügbaren Informationen über ein finanzielles Asset einzutauchen. Du kannst dir zum Beispiel die Anwendungsfälle, die Anzahl der Personen, die es benutzen, oder das Team hinter dem Projekt ansehen.

Du willst zu einer Schlussfolgerung darüber gelangen, ob ein Asset über- oder unterbewertet ist, um auf dieser Grundlage bessere Handelsentscheidungen zu treffen.


Einführung

Der Handel mit so volatilen Assets wie Kryptowährungen erfordert etwas Geschick. Die Auswahl einer Strategie, das Verständnis der großen Welt des Trading und das Beherrschen der technischen und fundamentalen Analyse sind Praktiken, die eine Lernkurve haben.
Wenn es um die technische Analyse geht, kann ein gewisses Fachwissen von den traditionellen Finanzmärkten übernommen werden. Viele Krypto-Trader verwenden die gleichen technischen Indikatoren, die auch im Forex--, Aktien- und Rohstoffhandel zum Einsatz kommen. Tools wie RSI, MACD und Bollinger-Bänder versuchen, das Marktverhalten unabhängig vom gehandelten Asset vorherzusagen. Diese Tools, die für die technische Analyse verwendet werden, sind auch im Bereich der Kryptowährungen sehr beliebt.

Die Fundamentalanalyse von Kryptowährungen ähnelt zwar grundsätzlich der in den traditionellen Märkten. Allerdings kann man nicht die gleichen Tools zur Bewertung von Krypto-Assets heranziehen. Um eine angemessene FA in Kryptowährungen durchzuführen, müssen wir vielmehr verstehen, woher diese ihren Wert beziehen.

In diesem Artikel werden wir versuchen, Metriken zu identifizieren, die zur Erstellung deiner eigenen Indikatoren verwendet werden können.


Was ist die Fundamentalanalyse (FA)?

Die Fundamentalanalyse (FA) ist ein Ansatz, der Anlegern verwendet wird, um den „inneren Wert“ eines Vermögenswertes oder Unternehmens zu ermitteln. Durch die Untersuchung einer Reihe interner und externer Faktoren besteht ihr Hauptziel darin, festzustellen, ob der betreffende Vermögenswert oder das betreffende Unternehmen über- oder unterbewertet ist. Dann können sie diese Informationen nutzen, um strategisch in Positionen einzusteigen oder diese zu verlassen.

Die technische Analyse liefert ebenfalls wertvolle Handelsdaten, aber sie führt zu anderen Erkenntnissen. TA-Anwender glauben, dass sie zukünftige Kursbewegungen auf der Grundlage der vergangenen Performance von Assets vorhersagen können. Dies wird durch die Identifizierung von Candlestick-Mustern und das Studium von wichtigen Indikatoren erreicht.
In der traditionellen Fundamentalanalyse schauen wir in der Regel auf Geschäftskennzahlen, um herauszufinden, was sie für den tatsächlichen Wert des Unternehmens bedeuten. Zu den verwendeten Indikatoren zählen Gewinne pro Aktie (wie viel Gewinn ein Unternehmen für jeden ausstehenden Anteil erzielt) oder das Verhältnis zwischen den Preisen (wie Anleger das Unternehmen im Vergleich zum Buchwert schätzen). Du könntest dies zum Beispiel für mehrere Unternehmen innerhalb einer Nische tun, um herauszufinden, wie deine voraussichtliche Investition im Vergleich zu anderen steht.
Eine umfassendere Einführung in die Fundamentalanalyse findest du unter Was ist Fundamentalanalyse?


Das Problem der Krypto-Fundamentalanalyse

Kryptowährungsnetzwerke können nicht wirklich auf gleiche Weise bewertet werden wie traditionelle Unternehmen. Wenn überhaupt, haben stärker dezentralisierte Assets wie Bitcoin (BTC) mehr Ähnlichkeit mit Rohstoffen. Aber selbst bei den eher zentralisierten Kryptowährungen (wie denen, die von Unternehmen ausgegeben werden), helfen uns traditionelle FA-Indikatoren nicht viel weiter.

Also müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf andere Rahmenbedingungen richten. Der erste Schritt in diesem Prozess besteht darin, aussagekräftige Metriken zu ermitteln. Mit aussagekräftig meinen wir solche, die sich nicht so einfach manipulieren lassen. Die Anzahl der Twitter-Follower oder Telegram-/Reddit-User sind wahrscheinlich keine guten Metriken, da es zum Beispiel einfach ist, gefälschte Konten zu erstellen oder Engagement in sozialen Medien zu kaufen.

Es ist wichtig zu beachten, dass es keinen einzelnen Messwert gibt, der uns ein vollständiges Bild des Netzwerks, das wir bewerten, geben kann. Wir könnten uns die Anzahl der aktiven Adressen auf einer Blockchain anschauen und sehen, dass sie stark ansteigt. Aber das allein sagt nicht viel aus. Nach allem, was wir wissen, könnte das auch ein einzelner Akteur sein, der Geld mit immer wieder neuen Adressen an sich selbst hin und her überweist.
In den folgenden Abschnitten werden wir einen Blick auf drei Kategorien von Krypto-FA-Metriken werfen: On-Chain-Metriken, Projektmetriken und Finanzmetriken. Diese Liste ist nicht erschöpfend, sollte aber eine gute Grundlage für die spätere Erstellung von Indikatoren bieten.


On-Chain-Metriken


On-Chain-Metriken sind diejenigen, die durch die Betrachtung der von der Blockchain bereitgestellten Daten beobachtet werden können. Wir können dies selbst tun, indem wir einen Knoten (auch „Node“ genannt) für die gewünschten Netzwerke betreiben und dann die Daten exportieren, aber das kann zeitaufwendig und teuer sein. Dies gilt insbesondere, wenn wir nur über die Investition nachdenken und keine Zeit oder Ressourcen für das Vorhaben verschwenden möchten.
Eine einfachere Lösung wäre, die Informationen von Websites oder API zu beziehen, die speziell für den Zweck der Bereitstellung von Informationen für Anlageentscheidungen entwickelt wurden. Zum Beispiel, gibt uns die On-Chain-Analyse von Bitcoin auf CoinMarketCap eine Unmenge an Informationen. Weitere Quellen sind die Coinmetric Data Charts oder die Binance Research Projektberichte.


Anzahl der Transaktionen

Die Anzahl der Transaktionen ist ein guter Messwert für die Aktivitäten auf einem Netzwerk. Indem wir die Anzahl für festgelegte Zeiträume aufzeichnen (oder indem wir gleitende Durchschnitte verwenden), können wir sehen, wie sich die Aktivität im Laufe der Zeit ändert.

Beachten Sie, dass diese Metrik mit Vorsicht zu behandeln ist. Wie bei aktiven Adressen können wir nicht sicher sein, dass es nicht nur eine Partei ist, die Gelder zwischen ihren eigenen Wallets transferiert, um die On-Chain-Aktivität aufzublähen.


Transaktionswert

Der Transaktionswert – der nicht mit der Transaktionsanzahl zu verwechseln ist –, sagt uns, wie viel Wert innerhalb eines Zeitraums übertragen wurde. Wenn zum Beispiel insgesamt zehn Ethereum-Transaktionen im Wert von jeweils $ 50 am selben Tag gesendet wurden, würden wir sagen, dass das tägliche Transaktionsvolumen $ 500 beträgt. Wir könnten dies in einer Fiatwährung wie USD oder in der nativen Einheit des Protokolls (ETH) messen.


Aktive Adressen

Aktive Adressen sind die Blockchain-Adressen, die in einem bestimmten Zeitraum aktiv sind. Die Ansätze zur Berechnung variieren, aber eine beliebte Methode ist es, sowohl den Sender als auch die Empfänger jeder Transaktion über festgelegte Zeiträume (z.B. Tage, Wochen oder Monate) zu zählen. Einige untersuchen auch die Anzahl der eindeutigen Adressen kumulativ, d.h. sie verfolgen die Gesamtsumme über die Zeit.


Gezahlte Gebühren

Die gezahlten Gebühren können uns etwas über die Nachfrage nach Blockspace sagen, was für einige Krypto-Assets vielleicht wichtiger als für andere ist. Man könnte sie sich wie Gebote bei einer Auktion vorstellen: Die User konkurrieren miteinander, um ihre Transaktionen zeitnah in den nächsten Block aufgenommen zu bekommen. Transaktionen mit höheren Geboten werden eher bestätigt (gemined), während Gebote, die niedriger sind, länger warten müssen.
Für Kryptowährungen mit abnehmenden Emissionsplänen ist dies eine interessante Metrik zur Untersuchung. Die wichtigsten Proof of Work (PoW) Blockchains bieten eine Blockbelohnung. Bei einigen setzt sie sich aus einem Blockzuschuss und den Transaktionsgebühren zusammen. Der Blockzuschuss sinkt periodisch (bei Ereignissen wie dem Bitcoin Halving).

Da die Kosten für das Mining im Laufe der Zeit tendenziell steigen, die Blocksubvention aber langsam reduziert wird, ist es sinnvoll, dass die Transaktionsgebühren steigen müssten. Andernfalls würden die Miner mit Verlust arbeiten und anfangen, das Netzwerk zu verlassen. Dies hat einen Dominoeffekt auf die Sicherheit der Chain.


Hash-Rate und der Stake-Betrag

Blockchains verwenden heute viele verschiedene Konsens-Algorithmen, jeder mit seinen eigenen Mechanismen. Da diese eine so wichtige Rolle bei der Sicherung des Netzwerks spielen, könnte sich das Eintauchen in die sie umgebenden Daten für eine grundlegende Analyse als wertvoll erweisen.

Die Hash-Rate wird oft als Maß für den Zustand des Netzwerks bei Proof-of-Work-Kryptowährungen verwendet. Je höher die Hash-Rate ist, desto schwieriger ist es, erfolgreich einen 51%-Angriff durchzuführen. Ein Anstieg im Laufe der Zeit kann aber auch auf ein wachsendes Interesse am Mining hindeuten, wahrscheinlich als Folge von billigen Gemeinkosten und höheren Gewinnen. Umgekehrt deutet ein Rückgang der Hash-Rate darauf hin, dass Miner offline gehen („Miner Capitulation“), da es für sie nicht mehr profitabel ist, das Netzwerk zu sichern.

Zu den Faktoren, die die Gesamtkosten des Mining-Prozesses beeinflussen können, gehören der aktuelle Asset-Preis, die Anzahl der bearbeiteten Transaktionen und die zu zahlenden Gebühren, um nur einige zu nennen. Natürlich sind auch die direkten Kosten des Mining-Prozesses (Stromkosten, Rechenleistung) wichtige Überlegungen.

Staking (z. B. in Proof of Stake) ist ein weiteres verwandtes Konzept mit ähnlicher Spieltheorie wie das PoW-Mining. Was die Mechanismen anbelangt, so funktioniert es jedoch anders. Die Grundidee ist, dass die User ihre eigenen Bestände staken, um an der Blockvalidierung teilzunehmen. So können wir anhand der Höhe des Stake-Einsatzes zu einem bestimmten Zeitpunkt das Interesse (oder den Mangel daran) ablesen.


Projekt-Metriken


Wenn On-Chain-Metriken mit beobachtbaren Blockchain-Daten zu tun haben, beinhalten Projekt-Metriken einen qualitativen Ansatz, der Faktoren wie die Leistung des Teams (falls vorhanden), das Whitepaper und die bevorstehende Roadmap berücksichtigt.


Das Whitepaper

Es wird dringend empfohlen, das Whitepaper eines jeden Projekts zu lesen, bevor du investierst. Dies ist ein technisches Dokument, das uns einen Überblick über das Kryptowährungsprojekt gibt. Ein gutes Whitepaper sollte die Ziele des Netzwerks definieren und uns idealerweise einen Einblick geben in:

  • Die verwendete Technologie (ist sie Open Source?)
  • Die Anwendungsfälle, auf die es abzielt
  • Die Roadmap für Upgrades und neue Funktionen
  • Das Liefer- und Verteilungsschema für Coins oder Tokens

Es ist ratsam, diese Informationen mit Diskussionen über das Projekt zu verknüpfen. Was sagen andere Leute darüber? Gibt es irgendwelche Warnsignale? Erscheinen die Ziele realistisch?


Das Team

Wenn ein bestimmtes Team hinter dem Kryptowährungsnetzwerk steht, kann die Erfolgsbilanz seiner Mitglieder darüber informieren, ob das Team über die erforderlichen Fähigkeiten verfügt, um das Projekt zum Erfolg zu führen. Haben die Mitglieder schon früher erfolgreiche Unternehmungen in dieser Branche unternommen? Reicht ihr Fachwissen aus, um die geplanten Meilensteine zu erreichen? Waren sie an irgendwelchen fragwürdigen Projekten oder Betrügereien beteiligt?
Wenn es kein Team gibt, wie sieht dann die Entwicklergemeinschaft aus? Wenn das Projekt ein öffentliches GitHub hat, überprüfe, wie viele Mitwirkende und wie viel Aktivität es gibt. Ein Coin, dessen Entwicklung konstant war, kann attraktiver sein als einer, dessen Repository seit zwei Jahren nicht mehr aktualisiert wurde.


Wettbewerber

Ein aussagekräftiges Whitepaper sollte uns eine Vorstellung von dem Anwendungsfall vermitteln, auf den das Krypto-Asset abzielt. In diesem Stadium ist es wichtig, die Projekte zu identifizieren, mit denen es konkurriert, sowie die alte Infrastruktur, die es ersetzen soll.

Im Idealfall sollte die Fundamentalanalyse derselben ebenso rigoros sein. Ein Asset mag an sich interessant aussehen, aber dieselben Indikatoren, die auf ähnliche Krypto-Assets angewandt werden, könnten Schwächen unseres Favoriten im Vergleich zu anderen aufzeigen.


Tokenomics und Erstverteilung

Ein paar Projekte erstellen Tokens als eine Lösung, die nach einem Problem sucht. Das sollte nicht heißen, dass das Projekt nicht realisierbar ist, aber die zugehörigen Tokens sind in diesem Zusammenhang vielleicht nicht besonders nützlich. Daher ist es wichtig zu ermitteln, ob Tokens einen echten Nutzen haben. Und darüber hinaus, ob dieser Nutzen vom Markt generell erkannt werden wird, und wie sehr dieser Nutzen wahrscheinlich geschätzt werden würde.
Ein weiterer wichtiger Faktor an dieser Stelle ist, wie die die Coins bzw. Tokens am Anfang herausgegeben wurden. Ist dies über ein ICO oder ein IEO geschehen oder können User diese verdienen, indem sie am Mining teilnehmen? Im ersten Fall sollte das Whitepaper darlegen, wie viel für die Gründer und das Team aufbewahrt wird und wie viel für die Investoren zur Verfügung steht. Im letzteren Fall könnten wir nach Beweisen suchen, dass der Entwickler des Assets im Vorfeld sogenanntes Premining (Mining im Netzwerk vor der Ankündigung des Projekts) betrieben hat.
Die Konzentration auf die Verteilung kann uns eine Vorstellung von jedem Risiko geben, das vorhanden ist. Wenn zum Beispiel die überwiegende Mehrheit des Angebots nur wenigen Parteien gehört, könnten wir die Schlussfolgerung erreichen, dass dies eine riskante Investition ist, da diese Parteien den Markt letztendlich manipulieren könnten.


Finanzelle Metriken


Informationen darüber, wie das Asset derzeit gehandelt wird, zu welchem Kurs es früher gehandelt wurde, Liquidität usw. können bei der Fundamentalanalyse nützlich sein. Andere interessante Metriken, die in diese Kategorie fallen könnten, sind jedoch solche, die die Ökonomie und die Anreize des Protokolls des Krypto-Assets betreffen.


Marktkapitalisierung

Die Marktkapitalisierung (oder der Netzwerkwert) wird durch Multiplikation des Umlaufmenge mit dem aktuellen Kurs berechnet. Im Wesentlichen repräsentiert dies die hypothetischen Kosten, um jede einzelne verfügbare Einheit der Kryptowährung zu kaufen (unter der Annahme, dass es keine Slippage gibt).

Die Marktkapitalisierung allein kann irreführend sein. Theoretisch wäre es einfach, einen nutzlosen Token mit einer Umlaufmenge von zehn Millionen Einheiten auszugeben. Wenn nur einer dieser Tokens für 1 Dollar gehandelt würde, dann würde die Marktkapitalisierung 10 Millionen Dollar betragen. Diese Bewertung ist offensichtlich verzerrt – ohne ein starkes Wertversprechen ist es unwahrscheinlich, dass der breitere Markt an dem Token interessiert wäre.

In diesem Zusammenhang ist es unmöglich, wirklich zu ermitteln, wie viele Einheiten für eine bestimmte Kryptowährung oder einen Token im Umlauf sind. Coins können verbrannt werden, Schlüssel können verloren gehen und Geldmittel können einfach vergessen werden. Was wir stattdessen sehen, sind Näherungswerte, die versuchen, Coins herauszufiltern, die nicht mehr im Umlauf sind.

Nichtsdestotrotz wird die Marktkapitalisierung ausgiebig genutzt, um das Wachstumspotenzial von Netzwerken zu ermitteln. Einige Krypto-Anleger investieren lieber in Small-Cap-Coins, da diese ihrer Meinung nach bessere Renditechancen bieten als Large-Cap-Coins. Andere sind der Ansicht, dass Large Caps aufgrund ihrer größeren Netzwerkeffekte bessere Erfolgsaussichten haben als die weniger etablierten Small Caps.


Liquidität und Volumen

Liquidität ist ein Maß dafür, wie leicht es sein kann, ein Asset zu kaufen oder zu verkaufen. Ein liquides Asset kann ohne Probleme zu seinem Handelskurs verkaufen werden. Ein verwandtes Konzept ist das eines liquiden Marktes, der ein wettbewerbsfähiger Markt ist und mit Verkaufsangeboten und Kaufangeboten überschwemmt wird (was zu einer engeren Geld-Brief-Spanne führt).

Ein Problem, auf das wir bei einem illiquiden Markt stoßen könnten, besteht darin, dass wir nicht in der Lage sind, unsere Assets zu einem „fairen“ Preis zu verkaufen. Dies zeigt uns, dass es keine Käufer gibt, die bereit sind, unsere Coins zu kaufen, so dass wir am Ende nur zwei Möglichkeiten haben: den Angebotspreis zu senken oder abzuwarten, bis die Liquidität steigt.

Das Handelsvolumen ist ein Indikator, der uns dabei helfen kann, die Liquidität zu bestimmen. Es kann auf verschiedene Arten gemessen werden und zeigt an, den Wert aller Trades, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums durchgeführt wurden. Typischerweise zeigen Charts das tägliche Handelsvolumen an (in nativen Einheiten oder in Dollar).

Im Zusammenhang mit der Fundamentalanalyse kann es hilfreich sein, mit der Liquidität vertraut zu sein. Letztlich dient sie als Indikator für das Interesse des Marktes an einer zukünftigen Investition.


Versorgungsmechanismen

Für einige sind die Versorgungsmechanismen eines Coin oder Token einige der interessantesten Eigenschaften unter dem Gesichtspunkt einer Investition. Tatsächlich werden Modelle wie das sogenannte Stock-to-Flow (S2F) Verhältnis unter Bitcoin-Befürwortern immer beliebter.
Maximale Umlaufmenge, Umlaufmenge und die Rate der Inflation können wichtig für deine Entscheidungen sein. Bei einigen Kryptowährungen wird die Anzahl der neu produzierten Coins im Laufe der Zeit reduziert, was sie für Investoren attraktiv macht, die glauben, dass die Nachfrage nach neuen Coins die Verfügbarkeit übersteigen wird. 
Andererseits könnten andere Investoren eine rigide durchgesetzte Obergrenze als schädlich betrachten. Ihre Bedenken können darin bestehen, dass von der Verwendung des Coins abschreckt wird, da die Benutzer diese stattdessen horten. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass frühe Investoren unverhältnismäßig belohnt werden, während eine stetige Inflationspolitik für Neueinsteiger fairer wäre.


Indikatoren, Metriken und Werkzeuge für die Fundamentalanalyse

Wir haben Metriken bereits als quantitative und manchmal auch qualitative Daten definiert, die in grundlegenden Analysen verwendet werden. Aber für sich genommen erzählen diese Metriken oft nicht die ganze Geschichte. Wir sollten auch einen Blick auf die Indikatoren werfen, um tiefere Einblicke in die Fundamentaldaten eines Coin zu erhalten.

Ein Indikator kombiniert oft mehrere Metriken unter Verwendung statistischer Formeln, um leichter zu analysierende Beziehungen herzustellen. Allerdings gibt es immer noch viele Überschneidungen zwischen einer Metrik und einem Indikator, so dass die Definition recht locker ist. 

Obwohl die Information über die Anzahl der aktiven Wallets an sich wertvoll ist, können wir sie mit anderen Daten kombinieren, um tiefere Einblicke zu erhalten. Du kannst dies als Prozentsatz der gesamten Wallets werten oder die Marktkapitalisierung eines Coins durch die Anzahl der aktiven Wallets teilen. Diese Berechnung würde dir einen durchschnittlichen Betrag pro aktiver Wallet liefern. Beides würde dir die Möglichkeit geben, Rückschlüsse auf die Aktivitäten des Netzwerks und das Vertrauen der Benutzer in den Besitz des Assets zu ziehen. Wir werden im nächsten Abschnitt tiefer in dieses Thema eintauchen.

Fundamentalanalyse-Tools erleichtern das Sammeln aller dieser Metriken und Indikatoren. Du kannst dir zwar die Rohdaten auf Blockchain Explorers ansehen, aber ein Aggregator oder Dashboard ist eine effizientere Nutzung deiner Zeit. Einige Tools ermöglichen es dir, deine eigenen Indikatoren mit den von dir gewählten Metriken zu erstellen.


Kombination von Metriken und Erstellung von FA-Indikatoren

Da wir nun mit dem Unterschied zwischen Metriken und Indikatoren vertraut sind, sollten wir darüber sprechen, wie wir Metriken kombinieren, um den finanziellen Zustand der Assets, mit denen wir uns beschäftigen, besser zu verstehen. Warum sollte man dies tun? Nun, wie wir in den vorangegangenen Abschnitten dargelegt haben, gibt es bei jeder Metrik Unzulänglichkeiten. Wenn du dir nur eine Reihe von Zahlen für jedes Kryptowährungsprojekt anschaust, übersiehst du außerdem viele wichtige Informationen. Betrachten wir das folgende Szenario:


Coin A

Coin B

Marktkapitalisierung

$100.000.000

$5.000.000

Anzahl der Transaktionen (6Mon)

20.000.000

40.000.000

Durchschn. Transaktionswert (6Mon) 

$50

100 USD

Aktive Adressen (6Mon)

30.000

2.000


Isoliert betrachtet sagen aktive Adressen nichts Substanzielles aus, wenn wir die beiden Angebote vergleichen. Wir könnten sicher sein, dass Coin A in den letzten sechs Monaten aktivere Adressen hatte als Coin B, aber das ist noch lange keine umfassende Analyse. Wie verhält sich diese Zahl zur Marktkapitalisierung? Oder die Transaktionsanzahl?
Ein umsichtigerer Ansatz wäre es, eine Art von Verhältnis zu erstellen, das wir auf einige der Statistiken von Coin A anwenden könnten, und sie dann mit dem gleichen Verhältnis zu vergleichen, das in Coin B verwendet wird. Auf diese Weise vergleichen wir nicht blindlings die einzelnen Metriken von jedem Coin. Wir können aber auch einen Standard für die unabhängige Bewertung von Coins erstellen. 
So könnten wir beispielsweise entscheiden, dass die Beziehung zwischen der Marktkapitalisierung und der Anzahl der Transaktionen viel mehr aussagt als die Marktkapitalisierung allein. In diesem Fall können wir die Marktkapitalisierung durch die Transaktionsanzahl teilen. Für Coin A ergibt sich ein Verhältnis von 5 und für Coin B ist unser Verhältnis 0,125.
Allein aufgrund dieses Verhältnisses könnte man meinen, dass Coin B wertvoller ist als Coin A , weil die berechnete Zahl niedriger ist. Das bedeutet, dass es eine viel höhere Anzahl von Transaktionen im Verhältnis zur Marktkapitalisierung von Coin B gibt. Daher könnte es scheinen, dass Coin B mehr Nutzen hat, oder dass Coin A überbewertet ist. 
Keine dieser Beobachtungen sollte als Anlageberatung ausgelegt werden – dies ist einfach ein Beispiel dafür, wie wir ein kleines Teil des Gesamtbildes malen können. Ohne die Ziele der Projekte und die Funktion der Coins zu verstehen, kann man nicht feststellen, ob die vergleichsweise geringere Transaktionszahl auf Coin A eine positive oder negative Entwicklung ist.
Ein ähnliches Verhältnis, das auf den Kryptowährungsmärkten eine gewisse Beliebtheit verzeichnet hat, ist das NVT-Verhältnis. Als Begriff geprägt von dem Analysten Willy Woo wurde das Verhältnis von Netzwerkwert zu Transaktionen als „Verhältnis von Preis zu Gewinn der Kryptowelt“ bezeichnet. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um die Division der Marktkapitalisierung (oder des Netzwerkwerts) durch die getätigten Transaktionen (typischerweise auf einem Tageschart).

Wir kratzen hier aber nur an der Oberfläche, welche Arten von Indikatoren verwendet werden können. Bei der Fundamentalanalyse geht es darum, ein System zu entwickeln, mit dem Projekte in allen Bereichen bewertet werden können. Je mehr qualitativ hochwertige Recherche wir betreiben, desto mehr Daten müssen wir verarbeiten.


Wichtige FA-Indikatoren und Metriken

Es gibt eine große Anzahl von Indikatoren und Metriken, aus denen du wählen kannst. Als Anfänger solltest du zunächst mit einigen der beliebtesten beginnen. Jeder Indikator erzählt nur einen Teil der Geschichte, also verwende eine Vielzahl von ihnen in deiner Analyse.


Netzwerkwert-zu-Transaktionen-Verhältnis (NVT)

Wenn du schon einmal vom Kurs-Gewinn-Verhältnis gehört hast, das zur Analyse von Aktien verwendet wird, dann wird dir der Netzwerk-Transaktionswert-Indikator (täglich), der für eine ähnliche Analyse verwendet werden kann, bekannt vorkommen. Dieser wird einfach berechnet, indem man die Marktkapitalisierung eines Coins durch das tägliche Transaktionsvolumen teilt. 

Wir verwenden das tägliche Transaktionsvolumen als Ersatz für den zugrunde liegenden, inhärenten Wert eines Coins. Dieses Konzept arbeitet mit der Annahme, dass sich die Volumina im System immer weiter bewegt, je mehr Wert das Projekt hat. Wenn die Marktkapitalisierung eines Coins steigt, während das tägliche Transaktionsvolumen hinterherhinkt, könnte der Markt in den Bereich einer Blase geraten. Die Preise steigen, ohne dass ein abgeglichener Anstieg des zugrunde liegenden Wertes vorliegt. Im umgekehrten Fall kann der Preis eines Coins oder eines Tokens stabil bleiben, während das tägliche Transaktionsvolumen steigt. Dieses Szenario könnte eine mögliche Kaufchance darstellen.

Je höher der Wert des Verhältnisses ist, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten einer Blase. Dieser Punkt wird in der Regel gesehen, wenn das NVT-Verhältnis über 90-95 liegt. Ein sinkendes Verhältnis zeigt an, dass die Kryptowährung weniger überbewertet wird. 


Market Value to Realized Value Ratio (MVRV)

Bevor wir uns mit dieser Statistik befassen, müssen wir verstehen, was realisierter Wert (realized value) für ein Krypto-Asset bedeutet. Der Marktwert, der ansonsten als Marktkapitalisierung bezeichnet wird, ist einfach das Gesamtangebot an Coins, multipliziert mit dem aktuellen Marktpreis. Realisierter Wert auf der anderen Seite, steht für Coins, die in unzugänglichen Wallets verloren gegangen sind. 

Coins, die in Wallet lagern, werden stattdessen anhand des Marktpreises zum Zeitpunkt ihrer letzten Bewegung bewertet. Zum Beispiel wird ein Bitcoin, der seit Februar 2016 in einem Wallet verloren gegangen ist, nur mit etwa 400 Dollar bewertet.

Um unseren MVRV-Indikator zu erhalten, dividieren wir einfach die Marktkapitalisierung durch die realisierte Kapitalisierung. Wenn die Marktkapitalisierung viel höher ist als die realisierte Kapitalisierung, haben wir am Ende ein relativ hohes Verhältnis. Ein Verhältnis über 3,7 gibt an, dass eine Verkaufswelle auftreten kann, wenn Trader ihre Gewinne aufgrund der Überbewertung des Coins einnehmen. 

Dieser Wert bedeutet, dass der Coin derzeit möglicherweise überbewertet ist. Du kannst dies vor zwei großen Bitcoin-Verkäufen sehen, und zwar im Jahr 2014 (MRVR von etwa 6) und 2018 (MRVR von etwa 5). Wenn der Wert zu Tief und unter 1 liegt, wird der Markt unterbewertet. Diese Situation wäre ein guter Zeitpunkt zum Kauf, da der Kaufdruck zunimmt und den Preis in die Höhe treibt.


Stock-to-Flow-Modell

Der Stock-to-Flow-Indikator ist ein beliebter Indikator für den Preis einer Kryptowährung, üblicherweise mit einem begrenzten Angebot. Das Modell betrachtet jede Kryptowährung als eine feste, knappe Ressource, ähnlich wie Edelmetalle oder Steine. Da es ein bekanntes begrenztes Angebot gibt, ohne dass neue Quellen erschlossen werden, nutzen Investoren diese Assets als Wertaufbewahrungsmittel.

Wir berechnen den Indikator, indem wir das gesamte zirkulierende globale Angebot durch die pro Jahr produzierte Menge dividieren. Bei Bitcoin kannst du dies mit leicht zu findenden Zahlen über den Umlauf und Daten zu im Mining erstellten neuen Coins machen. Sinkende Erträge aus dem Mining führen zu einem höheren Verhältnis, das seine Knappheit widerspiegelt und den Wert des Assets erhöht. Da Bitcoin ein sogenanntes Halving-Event in regelmäßigen Abständen durchläuft, in dem die Belohnungen halbiert werden, können wir sehen, wie sich dies in der Ausgabe neuer Coins im Markt widerspiegelt.


Wie du sehen kannst, ist Stock-to-Flow ein recht guter Indikator für den Preis von Bitcoin gewesen. Der Bitcoin-Kurs wurde mit dem 365-Tage-Durchschnitt des Verhältnisses überlagert und zeigt eine gute Übereinstimmung. Das Modell hat jedoch auch einige Nachteile. 

Zum Beispiel hat Gold derzeit ein Stock-to-Flow-Verhältnis von etwa 60, was bedeutet, dass es 60 Jahre dauern würde, um den aktuellen Goldvorrat mit dem aktuellen Fluss abzubauen. Bitcoin wird in etwa 20 Jahren eine Rate von 1.600 haben und damit einen Preis und eine Marktkapitalisierung, die höher ist als das derzeitige Vermögen der Welt. 

Stock-to-Flow-Modelle haben auch Probleme, wenn eine Deflation eintritt, da dies einen Minuspreis suggerieren würde. Da User oft die Schlüssel zu ihren Wallets verlieren und ab einem gewissen Zeitpunkt keine neuen Bitcoins mehr produziert werden, würden wir ein negatives Verhältnis sehen. Wir würden sehen, dass das Stock-to-Flow-Verhältnis gegen unendlich geht und dann minus wird, wenn wir dies grafisch darstellen.

Wenn du mehr über das Modell erfahren möchtest, dann sieh dir unseren Artikel Bitcoin und das Stock to Flow Modell an.


Beispiele für Fundamentalanalyse-Tools

Baserank

Baserank ist eine Forschungsplattform für Kryptowährungen, die Informationen und Bewertungen von Analysten und Investoren aggregiert. Die Kryptowährung erhält eine Gesamtbewertung von 0 bis 100, nachdem der Durchschnitt der einzelnen Bewertungen gebildet wurde. Obwohl es einige Premium-Bewertungen für Abonnenten gibt, können kostenlose User dennoch einen umfassenden Überblick über Bewertungen sehen, die in Abschnitte unterteilt sind, einschließlich Team, Nutzen und Investitionsrisiko. Wenn du wenig Zeit hast und einen kurzen Überblick über ein Projekt oder Coin benötigst, dann ist ein Aggregator wie Baserank für diese Aufgabe geeignet. Du solltest jedoch immer tiefer in Projekte eintauchen, an denen Sie interessiert sind, bevor Sie investieren.


Crypto Fees

Wie du vielleicht vom Namen her erraten hast, zeigt dir dieses Tool die einzelnen Netzwerkgebühren für die letzten 24 Stunden oder sieben Tage an. Es ist eine einfache Metrik, die bei der Analyse des Verkehrs und der Nutzung eines Blockchain-Netzwerks verwendet werden kann. Netzwerke mit hohen Gebühren erfreuen sich in der Regel einer großen Nachfrage.

Allerdings solltest du diese Metrik nicht einfach so hinnehmen. Einige Blockchains sind mit Blick auf niedrige Gebühren gebaut, was einen Vergleich mit anderen Netzwerken schwierig macht. In diesen Fällen ist es am besten, die Zahl in Verbindung mit dem Transaktionsbetrag oder einer anderen Metrik zu betrachten. Zum Beispiel sind Coins mit großer Marktkapitalisierung wie Dogecoin oder Cardano in den Gesamtcharts weiter unten gelistet aufgrund ihrer niedrigen Transaktionsgebühr.


Glassnode Studio

Glassnode Studio bietet ein Dashboard, das eine breite Palette von On-Chain-Metriken und -Daten anzeigt. Wie die meisten angebotenen Tools ist es abonnementbasiert. Allerdings ist die Menge an kostenlosen On-Chain-Daten, die es bietet, für Amateur-Investoren geeignet und ziemlich tiefgründig. Es ist viel einfacher, alle Informationen an einem Ort zu finden, als sie mit Hilfe von Blockchain-Explorern selbst zusammenzutragen. Die Hauptstärke von Glassnode ist die große Anzahl von Metrikkategorien und Unterkategorien, die du durchsuchen kannst. Wenn du jedoch an Binance Smart Chain-Projekten interessiert bist, dann bist du hier sehr eingeschränkt.

Glassnode Studio ist für alle, die ihre Metriken mit technischer Analyse kombinieren möchten, außerdem ist das TradingView mit allen Charting-Tools integriert. Es ist üblich, dass Investoren und Trader mehrere Arten von Analysen kombinieren, wenn sie Entscheidungen treffen. Die Möglichkeit, dies alles an einem Ort zu tun, ist ein Plus.


Zusammenfassung

Richtig durchgeführt, kann die Fundamentalanalyse unschätzbare Einblicke in Kryptowährungen liefern, wie es die technische Analyse nicht kann. In der Lage zu sein, den Marktpreis vom „wahren“ Wert eines Netzwerkes zu trennen, ist eine ausgezeichnete Fähigkeit, die man beim Trading haben sollte. Natürlich gibt es Dinge, die die TA uns sagen kann, die mit FA nicht vorhergesagt werden können. Aus diesem Grund verwenden viele Trader heutzutage eine Kombination aus beiden.

Wie bei vielen Strategien gibt es auch bei der FA keine allgemeingültige Anleitung. Hoffentlich hat dir dieser Artikel geholfen, einige der Faktoren zu verstehen, die vor dem Betreten oder Verlassen von Positionen mit Krypto-Assets zu berücksichtigen sind.